Situations #174 – #179 / PORN

Anna Ehrenstein · Zen for Hoejabi, 2019, ­Installationsansicht Fotomuseum Winterthur. Foto: Philipp Ottendörfer

Anna Ehrenstein · Zen for Hoejabi, 2019, ­Installationsansicht Fotomuseum Winterthur. Foto: Philipp Ottendörfer

Anna Ehrenstein · Tales of Lipstick and Virtue, 2018, Screenshot, Video 7’22’’

Anna Ehrenstein · Tales of Lipstick and Virtue, 2018, Screenshot, Video 7’22’’

Hinweis

Situations #174 – #179 / PORN

Winterthur — Wie wirkt die Masse der Bilder in den virtuellen Räumen wie Instagram und Youtube auf uns? Diese Frage beschäftigt ein Kurator/innenteam, das in loser Folge künstlerische Statements im Fotomuseum dazu präsentiert. Jeweils unter einem Oberbegriff wie etwa ‹Deviant›, ‹Photo Text Data› und nun ‹Porn› reflektiert die Ausstellung das Veröffentlichen von Abertausenden von Bildern als Kulturphänomen: Wie funktioniert das tägliche Konsumieren von Bildern und welches sind die Folgen für unser Sehen und Wahrnehmen? Anna Ehrenstein, eine albanisch-deutsche Künstlerin aus Berlin, zeigt zwei Skulpturen von Frauenköpfen mit Hijab und ihren Smartphones hinter das Ohr geklemmt: eine typische Neuköllner Strassenszene. Dahinter gerinnen projizierte Bilder auf improvisierten Leinwänden zu bunten Mustern, die wir nur noch unbewusst wahrnehmen. ‹Porn› heisst die Ausstellung deshalb, weil die unstillbare Lust am Kaufen und Konsumieren sich nicht nur auf den Verbrauch von Sexleistung beziehen muss, sondern alles umfasst, was durch den Dreiklang von Bild-Blick-Begehren die Lust am Habenwollen in uns aktiviert. Seien es nun Bilder von künstlich angeordneten Esswaren in der Videoarbeit von Sam Mercer und Anna Dannemann oder eine Bilderfolge zum Öffnen eines Pakets – ‹Unboxing› – von Adrian Sauer, aus dem sinnigerweise eine Photoshop-Software zum Vorschein kommt: Es ist von allem zu viel. Auch die unablässige Selbstoptimierung kippt zur ungeniessbaren Zurschaustellung von Eitelkeit, wie die Arbeit von Andy Kassier im Video ‹You Were Born to Stand Out› zeigt. Geradezu eklig wirken die grossformatigen Fotografien von Elena Aya Bundurakis mit schleimig schillernden Körperformen in Pastelltönen. Befragt wird in der kleinen Schau unser eigener Blick auf die Flut von Bildern im Internet, der zunehmend von einem pornografischen Impuls getrieben wird und dabei die Grenze zum Perversen und Obsessiven überschreiten kann, wobei das Auge als Eintrittstor funktioniert. Die Reaktion im Körper lässt nicht lange auf sich warten: Mit einem flauen Gefühl im Magen verlässt man den Rundgang und der Diskurs erscheint nun nicht mehr so theoretisch.

Bis 
13.10.2019
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Situations/Porn 08.06.201913.10.2019 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH

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