Ursula Palla, Zsuzsanna Gahse

Ursula Palla · Am Teich, 2019, Spiegel im Tiefparterre, Installationsansicht Kunstraum Kreuzlingen. Foto: Richard Tisserand

Ursula Palla · Am Teich, 2019, Spiegel im Tiefparterre, Installationsansicht Kunstraum Kreuzlingen. Foto: Richard Tisserand

Zsuzsanna Gahse, Schriftbild aus Skizzenbuch, Installationsansicht Kunstraum Kreuzlingen © ProLitteris. Foto: Richard Tisserand

Zsuzsanna Gahse, Schriftbild aus Skizzenbuch, Installationsansicht Kunstraum Kreuzlingen © ProLitteris. Foto: Richard Tisserand

Hinweis

Ursula Palla, Zsuzsanna Gahse

Kreuzlingen — Monet wollte den perfekten Garten, Blüte an Blüte, Farbenpracht und Überfluss, gehegt und gepflegt von Profis. Gemüsebeete und Obstbäume hatten im Gartenkunstwerk ebenso wenig Platz wie all das, was unter dem Begriff Unkraut zusammengefasst wird – Unkraut, das sich immer wieder einen Platz erobert und ebenso hartnäckig ausgerupft wird. Ursula Palla (*1962) hat sich diesen ungeliebten Pflanzen bereits in früheren Arbeiten gewidmet und nun einige Dutzend Exemplare aus Monets Garten der Vergänglichkeit enthoben. In Bronzegüsse übertragen stecken die zarten Halme mit ihren spärlichen Blättern, den unscheinbaren Knospen und Blüten im Boden des Kunstraums Kreuzlingen. Dank einer Licht- und Videoprojektion werfen sie ihre eigenen Schatten an die Wand und werden von den Silhouetten sanft bewegter Exemplare überblendet. ‹empty garden› ist mit seiner Nähe zur Naturstudie und der Aufmerksamkeit für das Unscheinbare ein würdiger Nachfolger des Dürer’schen ‹Grossen Rasenstücks›, bereichert um einen poetischen Moment, der sich aus der Inszenierung als raumfüllende Arbeit und dem Spiel zwischen Objekt und projiziertem Abbild ergibt. Im Tiefparterre setzt sich die fragile Gartenstudie fort. Palla hat Spiegelfragmente zu zwei kristallinen Flächen zusammengefügt, Seen gleich liegen sie still in der Dunkelheit. Die Stille verbindet die Arbeiten Pallas mit denen von Zsuzsanna Gahse (*1946). Die Schriftstellerin, Lyrikerin und Übersetzerin präsentiert ihre Arbeiten erstmals in einer grösseren Auswahl. Die Nachbarschaft zu Palla erweist sich dabei als gut gewählt. Denn die unaufgeregte, sorgfältige Art, mit der sich die Videokünstlerin ihren Themen nähert und sie umsetzt, zeichnet auch Gahses Schriftbilder aus. Sie erweisen sich einerseits als inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Wort und seinen Aussagemöglichkeiten. Andererseits entwickelt die Preisträgerin des Schweizer Grand Prix Literatur 2019 Schriftbilder, die auf dem gestalterischen Aspekt der Buchstaben und Wörter beruhen. Sie reiht immer die gleichen Wortkombinationen aneinander, setzt so lange handgeschriebenen Text über handgeschriebenen Text, bis im Schwarz jede Leserlichkeit aufgehoben ist, sie überschreibt horizontale Zeilen diagonal in einer gleichmässig fliessenden Schrift, sodass sich die Wörter verkanten. Das Ergebnis sind Blätter, die zwischen ­sprachlichem und grafischem Rhythmus variieren und die Beiläufigkeit von Finger­übungen besitzen.

Bis 
13.10.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Ursula Palla, Zsuzsanna Gahse 30.08.201913.10.2019 Ausstellung Kreuzlingen
Schweiz
CH
Künstler/innen
Zsuzsanna Gahse
Ursula Palla
Autor/innen
Kristin Schmidt

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