Valentin Carron

Valentin Carron · Un ami simple, Installations­ansichten, Barrage de Mauvoisin, Val de Bagnes. Fotos: Studio Bonnardot

Valentin Carron · Un ami simple, Installations­ansichten, Barrage de Mauvoisin, Val de Bagnes. Fotos: Studio Bonnardot

Valentin Carron · Un ami simple, Installations­ansichten, Barrage de Mauvoisin, Val de Bagnes. Fotos: Studio Bonnardot

Valentin Carron · Un ami simple, Installations­ansichten, Barrage de Mauvoisin, Val de Bagnes. Fotos: Studio Bonnardot

Hinweis

Valentin Carron

Val de Bagnes — Auf knapp 2000 m ü. M. bespielt Valentin Carron auf Einladung des Musée de Bagnes die diesjährige Freiluftausstellung auf der Staumauer des Lac de Mauvoisin. Als aktueller Preisträger des Prix Culturel de l’Etat du Valais bewegt sich der arrivierte Walliser Künstler damit auch ganz real in luftigen Höhen.
In einem berühmten Passus seines 1925 verfassten Traktats ‹Urbanisme› revidiert Le Corbusier, Sohn der schachbrettartig angelegten Jurastadt La Chaux-de-Fonds, seine einst in ‹La construction des villes› formulierte jugendliche Faszination für organisch gewachsene Städte. Lapidar konstatiert er: «La rue courbe est le chemin des ânes, la rue droite le chemin des hommes.» An diesen Satz mögen Outdoor-Fans vielleicht denken, wenn sie derzeit zuhinterst im Val de Bagnes den Lac de Mauvoisin erkunden. Schmunzelnd werden sie dort zu Zeugen, wie im werbesprachlich «wildromantischen» Walliser Südtal genau diese Wert­umkehr vollzogen scheint: Einmal erklommen, bildet die mächtige Talsperre, hinter der sich der See aufstaut, mit ihrer elegant geschwungenen Dammkrone nämlich den Rahmen für ein eigenwilliges Esel- respektive Maultier-Defilee. Nicht ohne Ironie ist indes auch der Mensch in diesem Fall nicht auf strengen Geraden unterwegs. Vielmehr hat sein kühner modernistischer Geist hier die mit 250 Metern einstmals weltweit höchste Bogenstaumauer ersonnen. Das Tal hat dies in den 1950er-Jahren auf immer verändert. Doch war die Geschichte alpiner Erschliessungen im Wallis seit dem Bau der Simplonstrasse im 17. Jahrhundert ja schon immer eine Geschichte ingenieurtechnischer Kraftakte und Wunder.
Weitgehend verschwunden sind dagegen die Packesel und Maultiere, die im Wallis noch um die Mitte des 20. Jahrhunderts zu Tausenden im Dienst von Bauern und Säumern standen. Für Valentin Carron (*1977), dessen Werk vom Aufgreifen der Traditionen und Eigenheiten seines Heimatkantons lebt, wurde dies wortwörtlich zur Steilvorlage für seine Intervention. Angetan vom «pathetischen Naturell» der Tiere, liess er sich durch eine Ausgabe von La Fontaines Fabeln inspirieren und schuf aus einer darin enthaltenen Maultier-Darstellung dreissig Plakate. Cutout und Collage verbindend, fand er – anders als etwa Gustave Doré oder Marc Chagall, die das Sujet sehr textgetreu illustrierten – zu einer knappen grafischen Lösung, die dem Medium des Plakats genauso entspricht wie dem mehrheitlich flotten Tempo der Passanten. In Dreifarbendrucken hob er jeweils eine Körperpartie besonders hervor und gelangte so zu einer ebenso fröhlichen wie spürbar affektiven bildsprachlichen Charakterisierung des Tiers, das ihm nach eigener Aussage im Lockdown zum guten, ja einzigen Freund wurde. 180-fach geklont, können die bunten Kumpane nun in einer Art temporärer Wiederbesiedlungsaktion eine Weile die Aussicht auf Tal, See und Berge geniessen – und dies frei von jeder Last. 

Bis 
04.10.2020
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Valentin Carron 20.06.202004.10.2020 Ausstellung Le Châble
Schweiz
CH
Künstler/innen
Valentin Carron
Autor/innen
Astrid Näff

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