Valentina Minnig

Valentina Minnig · adult/sensitive, 2020, Ausstellungsansichten Kunst Halle Sankt Gallen 

Valentina Minnig · adult/sensitive, 2020, Ausstellungsansichten Kunst Halle Sankt Gallen 

Valentina Minnig · adult/sensitive, 2020, Ausstellungsansichten Kunst Halle Sankt Gallen 

Valentina Minnig · adult/sensitive, 2020, Ausstellungsansichten Kunst Halle Sankt Gallen 

Hinweis

Valentina Minnig

St. Gallen — Ordnung herrscht. Die Gefahrstellen sind gesichert. Der Unrat ist beseitigt. Die Hundesäckli hängen bereit. Für jede Eventualität ist vorgesorgt, für alles sind entsprechende Materialien und Utensilien vorhanden. Deren Aussehen ist dabei kaum ein Thema. Das ist erstaunlich, prägen sie ihre Umgebung doch sehr. Und auch wenn die Optik dieser Vorrichtungen zweitrangig ist, sind sie nicht ohne ästhetische Qualitäten, wie sich in Valentina Minnigs (*1991, Chur) Ausstellung in der Kunst Halle Sankt Gallen zeigt. Die Künstlerin verwendet für ihre Installationen einfache Materialien und Dinge, die sie auf der Strasse findet, die für den Einmalgebrauch konzipiert sind oder die billig in riesigen Mengen produziert werden. So interessiert sie sich beispielsweise für die raumbildenden Eigenschaften von Sicherheitsnetzen. Verwendet werden sie auf dem Bau, längs der Skipiste oder als Hagel- und Vogelschutz in der Landwirtschaft. Minnig trennt mit ihnen Raumsegmente ab. Sie spannt gelbe, blaue oder weisse Netze vor Fenster oder Wandflächen, schafft alternative Durch- und Zugänge und konstruiert durchaus auch Sackgassen. Damit lenkt sie den Blick einerseits auf die Fläche: Wann erscheint sie noch transparent? Ab welcher Maschendichte und vor welchem Hintergrund dominiert die Farbe? In welchem Verhältnis stehen Material und Zwischenraum? Andererseits arbeitet die Künstlerin die manipulative Kraft räumlicher Trennungen heraus. Wie alle temporären oder permanenten Einrichtungen im öffentlichen Raum erlauben sie bestimmte Bewegungen und schliessen andere aus. Damit wirken sie direkt auf das menschliche Verhalten.
Der Mensch manipuliert den Menschen, aber er manipuliert auch das Tier. Der Ausstellungstitel ‹adult/sensitive› deutet es an: Er bezieht sich keineswegs auf menschliche Empfindungen, sondern ist einer Hundefutterspezifikation entlehnt – der Mensch projiziert so manches Gefühl auf seinen vierbeinigen Begleiter. Diese Spannung der Mensch-Tier-Relation spiegelt auch die Installation mit Hundesäckli, oder offiziell: Hundekotbeuteln. Die kleinen Kunststoffsäcke werden in so zahlreichen Farben hergestellt, dass sich damit die Versionenvielfalt der Pride Flags visualisieren lässt. Minnig verknüpft solche Themen unbefangen und hintersinnig. Ihre Ausstellung stellt Machtverhältnisse und Beziehungen auf den Kopf. 

Bis 
08.11.2020
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Valentina Minnig 29.08.202022.11.2020 Ausstellung St. Gallen
Schweiz
CH
Künstler/innen
Valentina Minnig
Autor/innen
Kristin Schmidt

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