Alex Hartley in der Galerie Ulrich Fiedler

Besprechung

Der Engländer Alex Hartley präsentiert in seiner ersten deutschen Einzelausstellung Fotoarbeiten, die sich – nicht ohne Humor – mit den Konventionen des Ausstellungswesens beschäftigen.

Alex Hartley in der Galerie Ulrich Fiedler

Bereits in der kontextuellen Konzept Kunst der sechziger Jahre, spätestens seit der Popularisierung von Brian O’Dohertys Analyse des White Cube galt die neutralisierende Atmosphäre des weissen Galerieraumes als ästhetisch abgehandelt. Dieser hatte dargelegt, dass ein Kunstwerk gerade durch die fotografische Repräsentation – zweidimensional, auf eine Schauseite fixiert und losgelöst von seinem kulturellen, soziologischen Ursprung – gesteigerte Wirkung erzielt. Diese institutionskritischen Positionen bilden den theoretischen Ursprung von Alex Hartleys (*1963) Auseinandersetzung, die ihn jedoch zu durchaus sinnlichen und ästhetisch ansprechenden Resultaten führt. Er behandelt in seinen Arbeiten den Galerieraum eher als Faszinosum denn als Feindbild: In Aufnahmen berühmter Räume – wie der Konrad Fischers in Düsseldorf oder Leo Castellis in New York – entfernte er digital die ausgestellten Kunstwerke und extrahierte so die auratische Wirkung aus dem architektonischen Gehäuse. Das Verfahren entwickelte Hartley weiter, indem er seine Idealgalerie als Pappattrappe baute und in repräsentablen, grossen Schwarzweissaufnahmen reproduzierte. Die Nachahmung von Räumen im Grenzbereich physischer und mentaler Realität ist ein derzeit virulentes Thema. Analogien liessen sich etwa in den Nachbauten von musealen Situationen durch Barbara Probst oder von Orten kultureller Fertilität durch Thomas Demand finden, die im Dreieck von Aneignung, Imitation oder Erinnerung zu verorten wären. Hartleys Aufnahmen zielen hingegen nur auf den ersten Blick auf Virtualität, denn seine Räume bleiben mit ihren unsauberen Schnittkanten als Kulissen erkennbar, nehmen also skulpturale Qualitäten an. Aus diesem Interesse am Plastischen entwickelte er sein Thema weiter im Übergang zum Foto-Objekt, indem er seine Lichtbilder in Kästen aus Milchglasscheiben setzt, die das Motiv verunklären und so geheimnisvoll erscheinen lassen. Paradoxerweise scheint der gesteigert künstliche Effekt dieser opaken Glasbehälter mit der Eleganz formalistischer Skulpturen zu kokettieren. Seit kurzem fügt er seine Aufnahmen auch in grossen Diarahmen ein und entwickelt dazu passende Diakästen, -taschen und einen Diabetrachter. Wenn seine monumentalen Dia-Skulpturen den Titel tragen «I took my slides to the gallery», zeigt sich, dass Hartley trotz des leisen Humors den kontextuellen Bezug nicht aufgegeben hat und auf den instrumentalen Aspekt der Fotografie anspielt, in dem das Präsentieren von Kunst nicht nur der Schaulust und dem ästhetischen, also interesselos wohlgefälligen Blick dient, sondern konstituierender Bestandteil eines professionellen Gewerbes ist.


Bis 
11.12.1998
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Ulrich Fiedler Deutschland Köln
Künstler/innen
Alex Hartley
Autor/innen
Michael Krajewski

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