Com & Com in der Galerie Sima

COM & COM ? The Next Generation, 1998 (AJ Hedinger and AJ Gossolt presentiong the Spring Collection 1999); Foto: Can Asan; Courtesy Galerie Sima, Nürnberg

COM & COM ? The Next Generation, 1998 (AJ Hedinger and AJ Gossolt presentiong the Spring Collection 1999); Foto: Can Asan; Courtesy Galerie Sima, Nürnberg

Besprechung

Im März 1997 formierten sich die beiden St. Galler Künstler Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger unter dem Label «Com & Com» als Firma, die Kunstprodukte herstellt. Für ihre erste Galerieausstellung im Ausland haben sie die Form des Fotoromans und das Thema Klonen aufgegriffen.

Com & Com in der Galerie Sima

Bei einem Segeltörn im ionischen Meer stellten Com & Com einzelne Stationen aus Homers «Odyssee» nach und besetzten die Hauptrolle doppelt.Wohltuend ist, neben der ansprechenden Aufmachung des 28 Seiten starken Heftes eine Verschiebung der Orientierung im noch jungen Werk der beiden Künstler. Im Unterschied zu früheren Spielereien mit Marcel Duchamps Readymade-Idee greifen Gossolt und Hedinger nun erstmals eine Trivialform auf, um eine Art Entwurf zu formulieren. Ausgehend von einer Erzählform, für die Homers Epos einen Archetyp abgibt, formulieren sie ihre Geschichte: Die zwei Helden werden zu Nausikaa, ans Land der Phäaken gespült, erzählen von ihren Abenteuern beim einäugigen Riesen Polyphem, der Zauberin Kirke, die alle Freunde in Schweine verwandelt, und bei den schönärschigen Sirenen, und sie kehren nachhause zurück, wo sie ihre beiden Frauen mit Pistolen aus den Händen der Zecher freischiessen. Eine Heldengeschichte, trivial wie ein Abenteuerfilm oder ein Krimi. Der antike Stoff nähert sich den heutigen Actiongenres an.Aber das ist vielleicht so sekundär wie die kleinen Gags, die sich durch die Überschneidung von antiker Vorlage und heutiger Erzählzeit ergeben, etwa wenn Götterbote Hermes Schwimmflügelchen an den Füssen trägt.Interessanter ist das offenkundige Bedürfnis, Geschichten nicht nur nachzuerzählen, sondern physisch nachzuspielen, so als sollten die Körper wieder erfahren, was eine Geschichte ist, wo die Chancen, die Identifikationsmöglichkeiten und die Differenzqualitäten zur eigenen Person liegen, ähnlich wie Christoph Draeger es kürzlich in seinem Video «Feel Lucky Punk ??!», einem Verschnitt von Kinokrimis und daraus nachgespielten Situationen getan hat.Diese Verkörperlichung mentaler Vorgänge scheint auch das zweite neue Projekt von Com & Com, «The Next Generation», zu leiten. Mit Posters, Karten und Spielzeugprodukten stellen sie ihr neues Produkt vor: Als «Spring Collection 1999» ist die nächste Generation im Programm. Es sind sieben Kinder, die alle von den beiden AJs geklont wurden. Viermal dasselbe Mädchen, dreimal derselbe Junge, jeweils bis zum Outfit identisch. Die Künstler spielen mit der Rolle des naturwissenschaftlichen Zauberlehrlings und outen sich als Schöpfer einer ganz realen Welt. Da erhalten die Überlegungen von Com & Com angesichts von Bodystyling, Schaf Dolly und anderem eine unerwartete Brisanz. Für die vielgepriesene Ironie bleibt nurmehr wenig Raum. Hoffen wir, dass das gutgeht.


Bis 
04.12.1998
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Galerie Sima Deutschland Nürnberg
Künstler/innen
Marcus Gossolt
Johannes M. Hedinger
Autor/innen
Gerhard Mack

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