Friedhelm Falke im VeBiKus

Friedhelm Falke ? vertikal 2, 1998, Acryl, Nessel, 250 x 140 cm

Friedhelm Falke ? vertikal 2, 1998, Acryl, Nessel, 250 x 140 cm

Besprechung

Seit das reine Ornament in den achtziger Jahren sich als Bildmotiv durchsetzte, ist die Debatte über die Beziehung von Kunst und Dekor offen. Mit der Frage nach der dekorativen Funktion der Kunst im architektonischen Kontext entwickelt Friedhelm Falke sein Werk.

Friedhelm Falke im VeBiKus

Dekorativ im Sinne Friedhelm Falkes heisst nicht ornamental, denn seine Malerei ist ungegenständlich, vollkommen abstrakt. Der transparente Farbauftrag lässt die sukzessiven Malvorgänge erkennen, die wie feine Schleier übereinander liegen und sich durchkreuzen. Es entstehen undefinierbare Bildräume, die sich öffnen und verschliessen. Lichtdurchflutete, geometrische Bildfelder werden oft durch merkwürdig amorphe, dunkle Schlangenlinien begrenzt oder durchkreuzt, welche die herrschende Ruhe bedrohen. Friedhelm Falke baut nicht nur seine Bilder auf gegensätzlichen Elementen auf, sondern er setzt auch die verschiedenen Bilder untereinander und mit dem Raum in Dialog. Dies kommt bei seiner ersten Einzelausstellung in der Schweiz genauso zum Ausdruck wie in früheren Installationen, zuerst im Braunschweiger Dom und kürzlich im Haus der Preussag in Hannover, wo seine Wandbilder und die Plastiken von Andrea Ostermeyer aufeinander Bezug nahmen.Im etwa 215qm grossen Nordraum des VeBiKus hängen zwei grosse Bilder an den Schmalseiten und nur ein paar kleine, unregelmässig plazierte, an der Längswand. Durch die Betonung der Schmalwand werden die Proportionen des Raumes optisch zusammengezogen. Den farbigen Leinwandbildern an der Wand entsprechen PVC-Platten auf dem Boden. Die eine liegt vor den kleinen Bildern der Längswand und bildet eine Schranke, welche den Betrachter zwingt, die Bilder von ganz nah oder aus der Entfernung zu betrachten. Das zweite Element führt in der Diagonale von der Tür zur Fensterwand. «Malerei», so der Titel der Ausstellung, nimmt auch den Boden in Beschlag; zugegebenermassen auf eine diskrete Weise, denn die Bodenplatten sind monochrom, beziehungsweise achrom. Diese technoide Malerei zeigt geometrische Muster: Geschliffene, opake Felder alternieren mit polierten, welche die Bodenstruktur darunter durchscheinen lassen. Schneiden, schleifen, polieren: Begriffe aus dem Jargon der Bildhauerei werden hier als malerische Mittel eingesetzt, ein Zeichen, dass Friedhelm Falkes knappe, malerische Eingriffe auch als Grundsatzfrage über die Beziehung von Malerei und Skulptur zu verstehen sind. Indem Falke diese erweiterte Malerei in einen Dialog zum architektonischen Rahmen setzt, nimmt sie dekorative Züge an. Dekor im Sinne Falkes setzt Akzente im Raum, puristisch, minimalistisch, diskret. Dadurch unterscheidet sich seine Malerei sowohl von der selbstreflexiven abstrakten Malerei als auch von jener ornamentalen, die ein barockes Element verselbständigt und zum Bildinhalt erhebt.


Bis 
14.11.1998
Künstler/innen
Friedhelm Falke
Autor/innen
Danièle Perrier

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