Kiki Smith in der Kestner Gesellschaft und Douglas Gordon im Kunstverein

Kiki Smith ? Head with Bird II, 1994, Bronze; Courtesy Kestner Gesellschaft, Hannover

Kiki Smith ? Head with Bird II, 1994, Bronze; Courtesy Kestner Gesellschaft, Hannover

Besprechung

Kiki Smith und Douglas Gordon sind jetzt gleichzeitig in Hannover zu sehen: die Möglichkeit zu einemVergleich, der sich überraschenderweise als produktiv für die Sicht auf beide Künstler erweist.

Kiki Smith in der Kestner Gesellschaft und Douglas Gordon im Kunstverein

Unter dem Titel «All Creatures Great And Small» ist eine so poetische wie differenzierte Auswahl aus dem Oeuvre von Kiki Smith (*1954) zu sehen. Arbeiten aus den letzten Jahren belegen die Entwicklung der Künstlerin weg vom (gepeinigten) menschlichen Körper hin zu einem fast kosmischem Universum. Konstant aber durchzieht ihr Schaffen die Faszination wie der Schrecken am Morbiden, am Gefährdeten und Abgestorbenen. Da sind die kleinen «Animal Skulls», 1995, aus Blattsilber und -weissgold und die filligranen, schon naiv-schönen Zeichnungen der «Cat Heads», 1998, die von Smiths Interesse an Tier und Tod künden. Und da sind die «heroischen Frauen», wie «Lot’s Wife», 1996, eine in Bronze gegossene Figur, die von lebensbejahender, aber scheiternder Lust am selbstbestimmten Leben erzählen. Lot’s Frau, die zur Salzsäure erstarren musste, ist in ihrem symbolischen Übergang von organischer zu anorganischer Natur typisch für die Arbeit von Kiki Smith. Doch auch die Reanimation dieser «Opfer» ist Thema der Künstlerin: In Hannover betonen unter anderem Videos, in denen Fotos von Muybridge mit Hilfe des Computers wieder in Bewegung gesetzt sind, diese Reanimation.Spätestens hier wird eine tiefliegende Verwandtschaft zu Douglas Gordon (*1966) offenbar, denn auch dessen (mediale) Welt ist zutiefst geprägt von einem religiös gestimmten Blick, der die Ambivalenz des Schauens thematisiert: Faszination und Abscheu an Geburt und Tod zugleich sind für Gordons Weltsicht entscheidend. Das Moment der «schuldigen Lust», so Lynne Cooke in ihrem überzeugenden Katalogaufsatz, durchzieht das Werk des jungen Schotten. So sind im ersten Raum der Ausstellung in der bereits verschiedentlich gezeigten Installation «Something between my mouth and your ear», Rock-Songs zu hören, die Hits waren, als Gordons Mutter mit ihm schwanger war. Im vorletzten Raum dann sein «Single Room with Bath», 1998: Eine Badewanne ist mit Wasser gefüllt, dessen Temperatur als Körpertemperatur den Tod des Menschen zur Folge hat. Gorden hat Modellsituationen installiert, die als «erzählende Theologie» (Cooke) metaphysische Fragen in den Blickpunkt stellen, die auch für Smith entscheidend sind. Auch deren Affinität zu «besessenen» Körpern findet sich bei Gordon: In seinem Video «10ms-1», 1994, zeigt er die Tragikomödie eines psychischkranken Mannes, der am Boden liegt und vergeblich versucht aufzustehen. Dass Gordons so vorgetragene Befragung der Grenzen von Theologie und Wissenschaft analytischer ausfällt als die von Smith, ist offensichtlich.

K. Smith bis 15.11.98, D. Gordon bis 29.11.98


Bis 
28.11.1998
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kestnergesellschaft Deutschland Hannover
Künstler/innen
Kiki Smith
Autor/innen
Raimar Stange

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