Luigi Archetti in der Kunsthalle

Luigi Archetti ? Ohne Titel, 1998, Kunstharz auf Holz, 37 x 36 x 36 cm

Luigi Archetti ? Ohne Titel, 1998, Kunstharz auf Holz, 37 x 36 x 36 cm

Besprechung

Der Zürcher Luigi Archetti ist Maler, Musiker, Zeichner und Videokünstler. Was die verschiedenen Sparten vernetzt, ist die Auseinandersetzung mit geschichteten Klängen. Sicht- und hörbar als farbbetonte Malerei, als improvisierte (Gitarren)Töne, als elektronische (Bildschirm)Spuren, als zeichnerische Lineamente in der Fläche und im Raum.

Luigi Archetti in der Kunsthalle

Bis zu Beginn der neunziger Jahre trennte Luigi Archetti (*1955) Musik und Malerei konsequent. Dann gehörten Konzerte mit Improvisations-Jazz zum Programm seiner Ausstellungen. In den letzten zwei Jahren begann er alles mit allem zu kombinieren: Solo-CD, mit einem Oszillographen in Videobilder verwandelte Töne, Zeichnungen und Malerei (Bildraum, Zürich; Kunstkiosk, Kloten). Doch der «akustisch flimmernde Mal-Brei» (L.A.) überzeugte ihn noch nicht. So setzt er dieses Jahr in der Kunsthalle Winterthur ganz auf die Malerei der letzten Jahre, während er im Rahmen der Dezemberausstellung im Helmhaus Zürich Schall- und andere Schwingungslinien auf Papier und Bildschirm präsentieren wird. Und «Yellow Cubic», die neue Solo-CD, wird mit einem Konzert öffentlich werden.In der Malerei vertritt Luigi Archetti eine im Zeitstrom liegende Position: Er untersucht das Zusammenspiel monochromer Farbflächen, zuweilen auch Farbpartikel. Was sein Schaffen innerhalb dieser Strömung spezifisch und spannend macht, ist die Annäherung an die Thematik von der Musik her. So bilden die intuitiv plazierten, hölzernen, die Farbe auf der Horizontalen tragenden und seitlich Fliesspuren zeigenden Resonanzkuben in Winterthur eine Art Raum-Konzert. Instrumenten gleich stehen sie nicht für eine Farbe, einen Ton, sondern für die konzertante Summe ihrer malerischen Überlagerungen. Diese sind durch einen Prozess von auftragen und abschleifen als unregelmässige Frequenzstreifen gleichzeitig, quasi «sinfonisch» sichtbar. Analog zu den seitlichen Farbverläufen, wo die Spuren der Schleifmaschine an die Handbewegungen des Gitarristen erinnern. Ähnliches gilt auch für den Mischprozess der häufig pastellenen – «in jedem Fall warmen» (L.A.) Farben. Archetti mischt nicht auf der Palette, sondern trägt die Farbe so nass auf, dass die Schichten im Malprozess zu hellgrünen, gelb-beigen, rot-orangen, bläulich-grauen Akkorden werden. Weniger raumbetont, dafür dichter und satter in der Wirkung sind jene doppelten Holztafeln, die ganz auf den Zusammenklang der Farbfilme angelegt sind. Durch vielfaches Schleifen einerseits, Formreduktion andererseits wird das Nebeneinander wie auch das Wachsen der Schichten zum optisch vibrierenden Feld innerhalb einer definierten Form auf ruhigem Grund. In Experimenten mit Stapeln farbig bemalter Papiere, in Kunststoff eingegossener Farbpartikel, Kontrastierungen von vielfarbig bewegten (Resten)-Feldern und monochromen Tafeln lotet Archetti sein Thema in der Kunsthalle Winterthur zu den Rändern hin aus. Bis 28.11.Die erwähnte Gruppenausstellung mit Schweizer Zeichnern und Zeichnerinnen im Helmhaus Zürich dauert vom 27.11.– 10.1.1999.


Bis 
27.11.1998
Künstler/innen
Luigi Archetti
Autor/innen
Annelise Zwez

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