Musik im neuen Kunstverein

Hans Niehus · Nirwana needed, 2001, Aquarell auf Bütten, 48 x 36 cm

Hans Niehus · Nirwana needed, 2001, Aquarell auf Bütten, 48 x 36 cm

Besprechung

Wiederaufnahme: Der Neue Aachener Kunstverein eröffnet nach langer Sommerpause sein neues Haus im idyllischen Stadtgarten mit gleichnamiger Ausstellung. «Retake» untersucht das Phänomen Kunst und Musik unter den Aspekten Zitat, Nachahmung und Verfremdung – sprachliches und akustisches Crossover.

Musik im neuen Kunstverein

Das ehemalige Grünflächenamt Aachens bietet auf zwei Etagen über 200 m2 Ausstellungs-, grössere Büro- und Arbeitsflächen sowie ein offenes Foyer mit Bar, Terrasse und Aussicht auf den Park. Für die ambitionierte Eröffnungsausstellung «Wiederaufnahme/Retake» wurde die in Zürich lebende Kuratorin Ulrike Groos verpflichtet. Im Zentrum steht das Phänomen der künstlerischen Aneignung, Darstellung und Bearbeitung von verschiedensten Bereichen der Musik.Über die Klassiker Adrian Piper, deren Videos als historisches Fundament einer Kulturanalyse ins Kellergeschoss verlegt sind, und Christian Marclay, dessen zerschredderte Gitarre zitatreich auf Paik oder Pete Townsend verweist, wird die bedeutende Rolle von Tanz und Musik aufgezeigt. Sie bilden eine Art Klammer für Rodney Graham, der sich mit zwei Videoprojektionen als «Ramblin’ Man» und Spurensucher in «Aberdeen» – Kurt Cobains Geburtsort – stilistisch einprägt, für Dave Allen, der mit an Debussy orientierten Geräuschuntersuchungen postminimalistische Künstlerstrategien aufzeigt, oder für «Slave Pianos», einem in Melbourne initiierten Projekt, das mit Partituren von ursprünglich einmaligen Performances und Konzerten anderer Künstler über die (sampelbare) Musik die Kunst analysiert.Das dreistöckige Treppenhaus bindet städtische Tristesse wie in Grahams «Aberdeen» über die Architektur des Ortes an die Gartenidylle. Und dient als Hängefläche für die poppigen Zeichnungen von Hans Niehus. In Niehus’ ironischen Bildern zur Popkultur der siebziger und achtziger Jahre wird schlagartig der Sinn einer Wiederaufnahme bewusst. Es ist das aus einem Abstand heraus entwickelte Verständnis für neue Situationen, eine distanzierte Annahme. Gerade in der Musik ist das kulturelle Gedächtnis auf die Wiederaufnahme von Hymnen im Geflecht kollektiver Erinnerungen fixiert, was insbesondere die Installationen von Andrea Bowers und Annika Eriksson vermitteln. Die Aachener Ausstellung verhält sich themengerecht. Eine von Raimar Stange und Ulrike Groos konzipierte und über Kyra Stratmanns Musikzeitschrift «because tomorrow comes» herausgegebene CD trug ebenfalls den Titel Wiederaufnahme – tautologische Logik. Denn es zeigt die Kontinuität von musikalischem Material im Kunstbetrieb – siehe auch die parallelen Projekte zu Kunst und Musik im Düsseldorfer Kunstverein. Katalog im Revolver Verlag, Frankfurt.


Bis 
01.12.2001
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Wiederaufnahme/Retake 14.10.200102.12.2001 Ausstellung Aachen
Deutschland
DE

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