Andreas Dobler im Kunsthaus und in der Tony Wüthrich Galerie

Andreas Dobler · Komposition VII, 2002, Öl, Acryl und Lackspray auf Baumwolle, 166 x 420 cm

Andreas Dobler · Komposition VII, 2002, Öl, Acryl und Lackspray auf Baumwolle, 166 x 420 cm

Besprechung

Die Bilder von Andreas Dobler (*1963) entwerfen Welten, in denen vorgetäuschte Sinnordnungen für obsolet erklärt und malerische Ebenen durchdekliniert werden. Das Kunsthaus Glarus widmet dem Zürcher Maler eine Einzelausstellung, die eine Übersicht über sein siebzehnjähriges Schaffen gibt, während in der Tony Wuethrich Galerie eine Auswahl Zeichnungen zu sehen sind.

Andreas Dobler im Kunsthaus und in der Tony Wüthrich Galerie

Ein Paar Skistöcke durchbohren als vertikale Achsen zwei grasgrüne Sonntagszöpfe, deren geflochtene Struktur zwei bauchige Volumina ausbildet, die je horizontal das Bildfeld der beiden übereinander gehängten Leinwände dominieren. In «Vielfalt der Natur», 1985/86, einem Bild, das für den Beginn des künstlerischen Schaffens von Andreas Dobler steht, finden sich bereits wichtige Parameter angelegt, indem es auf die sowohl motivische wie konzeptuelle Dichotomie verweist, in deren Spannungsfeld sich seine Bilder verorten: Figurationen des Trivialen tanzen haltlos auf Farbgründen oder verbinden sich mit Elementen einer auf abstrakte Kunst verweisenden Sprache. In diesen Verschränkungen verdeutlicht sich zudem ein ästhetisches Prinzip des Polarisierens, bei dem Malerisches, an Computerspiele anlehnende Architektur, gesprayte Science-Fiction-Welten, geometrische Anordnungen oder psychedelische Batikbildgründe einander durchdringen. Wie eine Sonde tastet sich seine Malerei vor: In den Übergängen sucht sie sich selbst, erzählt sich anders, interpretiert sich neu. Auch Dobler überprüft die Malerei als sein zentrales künstlerisches Medium im Flirt mit anderen Sparten wie Musik oder Schauspiel. Schliesslich verschafft ihm nur die Malerei diesen Resonanzraum, in welchem seine exzentrische Verausgabung Vibrationen erzeugt, die von einer pragmatischen Haltung gebunden und zu einem energetischen Konzentrat verdichtet werden. Das Styropor – als Prototyp der Form – ist in «Komposition VII», 2002, Untersuchungsgegenstand der Malerei; das Abfallmaterial macht Raum, Licht, Materialität und Perspektive sichtbar. Die Hüllen und Höhlungen, aus denen Dobler seine Bildräume entstehen lässt, tragen in sich selbst eine Ambivalenz: Als haltgebende Ummantelungen deuten sie auf etwas stets Abwesendes hin und als dessen Abformungen fungieren sie im Bild als eigenständige Form. In «Torso», 1999, schwebt auf der ornamentalen Textur des Bettüberwurfs eine sexualisierte arpsche Bronzeplastik, die phallisch in den Bildraum hineinragt. Das mutet an wie ein Mahnmal für die zentrale Leerstelle: Das Abbild des Menschen. In der grossformatigen Tuschzeichnung «Despair», 2000, kauert die Plastik in Ketten gelegt wie ein Klumpen in einem verliessartigen Innenraum, um in «The Demon of Painting», 2001, im Antlitz von Marylin Manson – selbst Ikone des Androgynen, Paradoxen, Monströsen – zu mutieren in einen Hybriden zwischen Malerei und Skulptur, Fläche und Raum, Figuration und Abstraktion, Hoch- und Popkultur. In der Edition Patrick Frey ist in Kollaboration mit dem Kunsthaus Glarus das Künstlerbuch «Andreas Dobler. Argovian Sun» mit verschiedenen Textbeiträgen erschienen.
Basel (in einer gemeinsamen Ausstellung mit Noori Lee) bis 29.10.

Bis 
16.11.2002
Autor/innen
Maja Naef

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