Hans-Peter Feldmann im Fotomuseum

Hans-Peter Feldmann · Image, 1970er Jahre, © H.-P. Feldmann

Hans-Peter Feldmann · Image, 1970er Jahre, © H.-P. Feldmann

Besprechung

Die Arbeiten von Hans-Peter Feldmann kreisen um die visuelle Kultur und ihre Mechanismen, um Bilder als alltägliche sowie ästhetische Phänomene. Dabei stehen die Traditionen jahrhundertealter Themen, Wünsche und Träume sowie Fragen über das kollektive (Bild)Gedächtnis und das Wesen von Bildern im Zentrum des Interesses.

Hans-Peter Feldmann im Fotomuseum

«Che sera, sera, Whatever will be [?]»: In grosser Schrift ist der Text des von Doris Day gesungenen Liedes an die Wand geschrieben. Erinnerungen tauchen auf, Bilder entstehen im Kopf. Die benachbarte Wand ist von Postkarten überzogen: gekrönte Häupter, nette Hündchen, jugendliche Schönheiten, Sonnenuntergänge, in Gruppen zusammengestellt. Hans-Peter Feldmann (*1941 in Düsseldorf) verwendet in den installativen Anordnungen von Objekten und Bildern, in den Reihungen und Raum greifenden Präsentationen vorgefundene Gegenstände, eigene Fotografien und recyceltes visuelles Material. Der dabei entstehende Bilderbogen umfasst die gesamte westliche Bild- und Alltagskultur. kaleidoskopartig wirbeln die Bilder durcheinander und eröffnen durch ihre Dekontextualisierung sowie durch die Neuordnung und Systematisierung neue Zusammenhänge. Die Pin-ups, die Inkunabeln der Kunstgeschichte, die touristischen Highlights sind auf sich selbst gestellt, gehen neue Allianzen ein, entwickeln Affinitäten zueinander. Die jeweils persönlich vorgenommene und immer anders ausfallende Gruppierung von Bildern und Gegenständen macht hierbei sowohl «Hauptströmungen einer kollektiven Vorstellungswelt» (Feldmann) als auch Differenzen und Gemeinsamkeiten erfahrbar.

Feldmanns Werke offenbaren einen persönlichen Blick auf die Welt. Bilder der beginnenden Nachkriegszeit, der Zeit der Kommerzialisierung von Erlebnissen und Wünschen nehmen ihre Spur – als Zitat, als Erinnerung – in die (museale) Gegenwart mit. Die Verwendung allgemein zugänglicher Bilder sowie privater Schnappschüsse, die wertfreie Kombination und Präsentation dieses Materials offenbart dessen semantische Ebenen. Emotionale Qualitäten, die in die Bilder eingeschrieben sind, bleiben trotz der Bearbeitung durch den Künstler, beispielsweise Vergrösserung, Einfärben etc., erhalten. Sie mischen sich mit anderen Bedeutungen, überlagern einander und interferieren mit der Silhouette der BetrachterInnen vor und hinter den Bildern.

Einer der Grundsätze Feldmanns ist der Glaube, dass Bilder allen gehören. Sie dienen als Projektionsflächen, als Bedeutung stiftende Elemente. Gleichzeitig weisen sie mehrere Spuren auf: die der Fiktionen und Wünsche, die zu ihrer Formulierung geführt haben, und jene der Rezeption und Lesart, mit der wir ihnen begegnen. Feldmanns Arbeiten führen vor Augen, dass die visuelle Aneignung der Welt, die Wahrnehmung von «Realität» auf der Einschreibung des subjektiven Blicks in Bilder beruht, auf der Sinnstiftung durch und über Bilder.
Vom 12.12. bis 2.3.2003 im Museum Ludwig Köln (mit Katalog).

Bis 
26.10.2002
Künstler/innen
Hans-Peter Feldmann
Autor/innen
Irene Müller

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