Jason Rhoades im Museum Moderner Kunst

Jason Rhoades · PeaRoeFoam: My Special Purpose, 2002, Installation, © Foto: MUMOK-Lisa, Rastl

Jason Rhoades · PeaRoeFoam: My Special Purpose, 2002, Installation, © Foto: MUMOK-Lisa, Rastl

Besprechung

Seit einem Jahr ist der Neubau des Museums Moderner Kunst im Wiener Museumsquartier eröffnet. Jetzt ist mit Jason Rhoades «PeaRoeFoam: My Special Purpose» auch die erste Einzelausstellung in der «MUMOK Factory» zu sehen, jenem ursprünglich als Lager geplanten Kellerraum des Museums. Jason Rhoades demonstriert mit seiner raumfüllenden Installation chaotisch-humorvoll, wie sich die zwiespältige Atmosphäre des Raumes zugleich integrieren und wandeln lässt.

Jason Rhoades im Museum Moderner Kunst

Die grundlegende Struktur von Rhoades’ Raumskulptur spielt mit der Assoziation «Fabrik». Ein «Wandsystem», wie der Künstler die wilde Kombination von Holzplatten bis hin zu einem grossen Leuchtkasten nennt, durchtrennt den Raum. Davor steht eine Bank, dahinter liegen die Bereiche Lager – mit skulpturalen Paletten voller Verpackungsmaterial – und Produktion. Produktionsort ist die «Grand Machine», ein Aluminiumstangensystem mit Silos und kleinen Arbeitsplätzen darin. In Rhoades Ausstellung in der New Yorker Galerie David Zwirner zur Fertigung von «PeaRoaFoam Units» konstruiert, dient dieser Bereich jetzt als Karaoke-Studio, Der Funktionswechsel ist kenntlich gemacht durch Mengen von CD-Scheiben, die überall hängen und liegen. Während des Aufbaus sang das Museumspersonal aus einem vorgegebenen Repertoire bekannte Popsongs, die jetzt dezent aus Mengen von Lautsprechern dudeln. Karaoke-freudigen Besuchern steht das Studio zweimal die Woche offen.

Über, unter und neben all diesen verschiedenen Raumbereichen, Materialien und Themeneinheiten liegt und klebt «PeaRoaFoam», Rhoades neueste Erfindung. «PeaRoaFoam» ist eine Mischung aus getrockneten, grünen Erbsen, leuchtend roten Lachseiern, weissen Styroporkügelchen und Klebstoff. Mit diesem Material vermag Rhoades, seiner exzessiven Methode des Sampelns einen roten Faden beizumengen, der wiederum verschiedene Themen und Anspielungen einbringt. So erinnert der Schüttvorgang des «PeaRoeFoam» an Hermann Nitschs oder Jackson Pollocks Akt der Bilderzeugung. Den dort verankerten Anspruch von Spontanität und einzigartigem künstlerischen Schöpfungsakts verkehrt Rhoades allerdings in eine Waren-Strategie. Der Markenname durchzieht die gesamte Installation, auf den Paletten stehen eigens mit und für «PeaRoeFoam» bedruckte Kartons bereit. Das «Wandsystem» spielt mit der Unterteilung von Produktion und Konsum, von Ware und Kunstwerk. Und nicht zuletzt verspricht die Behauptung eines ganz eigenen, von dem einen Künstler benutzten, besetzten, erfundenen Material eine Form von Authentizität, die im krassen Widerspruch zum Gedankenspiel einer «Fabrik» steht.

In Rhoades Installation ist nichts eindeutig festgelegt, Funktionen und Unterteilungen werden ebenso vermischt wie sich «PeaRoeFoam» entropisch über den Raum verteilt. Konsequenterweise liegt daher das Material vor und hinter der Trennwand – «PeaRoeFoam» ist zugleich Produkt, Skulptur und Sinnbild der Installation: hier wird nichts abgestellt, sondern in assoziationsreicher Vielfalt miteinander verbunden.
Paul McCarthy & Jason Rhoades bei Hauser & Wirth, Zürich, bis 21.12.

Bis 
16.11.2002

Werbung