Silke Otto-Knapp in der Galerie Karin Guenther

Silke Otto-Knapp · Japanese Style Appartments on Figueroa, 2002, Aquarell auf Leinwand, 45 x 60 cm

Silke Otto-Knapp · Japanese Style Appartments on Figueroa, 2002, Aquarell auf Leinwand, 45 x 60 cm

Besprechung

Silke Otto-Knapp stellt in ihrer Malerei Orte dar, die sich durch mediale Präsenz im allgemeinen Bildgedächtnis eingenistet haben: vorwiegend klischeehaft vertraute Ansichten amerikanischer Städte wie Los Angeles und Las Vegas. In ihrer zweiten Einzelausstellung bei Karin Guenther überrascht sie mit scheinbar ortlosen, arkadischen Landschaftsmotiven.

Silke Otto-Knapp in der Galerie Karin Guenther

Otto-Knapp war niemals in Las Vegas. Auch nicht, als sie Ansichten von dieser Stadt gemalt hat. Orte wie diesen kennt man ohnehin: Die Bildhaftigkeit ist ihm eingebrannt, das Imaginäre ist seine eigentliche Realität. Als Malerin interessiert sie sich für die Künstlichkeit von Orten, die weitgehend durch Bilder vermittelt oder sogar auf Images hin angelegt sind, so dass sie in der Vorstellung eigene Realität entfalten. In der malerischen Aneignung pointiert sie, wie der «wirkliche» Ort im imaginären Topos aufgeht. Darin wird er für sie zum Motiv.

Silke Otto-Knapp arbeitet mit Aquarell und besetzt damit ein im zeitgenössischen Kontext ungewöhnliches Medium. Sie malt auf weissgrundierter, auf flache Keilrahmen gespannte Leinwand und bindet so den durchscheinend lichten Charakter der Wasserfarben ans Bildobjekt und auch an eine dezent grobstoffliche Oberfläche. In flüssig-verschwimmenden Konturen steigert sie Motive, etwa Gebäudezeilen, Palmen oder Leuchtreklame, zu zeichenhafter Präsenz. Das lasierend-lavierende Aquarell löst die Künstlichkeit von Orten in den Eindruck einer traum- oder rauschhaft erlebten Kulisse, in einen atmosphärisch dramatisierten Bildraum auf. In der Verwendung jenes «schnellen» Mediums – oft genutzt, um Gesehenes unmittelbar festzuhalten – suggeriert Otto-Knapp ausserdem mit Ironie das Klischee der «Malerin als Augenzeugin». Ohne je selbst vor Ort gewesen zu sein.

Mit den neuen Arbeiten spitzt Otto-Knapp ihre Strategie der Transformation von visuellen Mythen weiter zu. Kleine und mittlere Formate in durchweg grünen Valeurs zeigen Naturausschnitte, mal ein Stück exotisches Dickicht in Nahsicht, mal Landschaft in prospekthafter Überschau. Pure Natur bleibt anonym: Konsequent löscht Otto-Knapp alle Spuren kultureller Vermitteltheit, wie sie ihr in Darstellungen von Stadt gerade zum Thema gerieten. Doch auch die scheinbar unbesetzten Naturansichten sind Räume von Projektion, vielleicht noch essentieller, da sie ohne Wiedererkennungseffekt, ohne die imaginärtouristischen Topoi etwa der Las-Vegas-Serie auskommen. Es sind leichte, fliessende Bilder von Orten kulturentrückter Unmittelbarkeit – und was könnte künstlicher sein?

Bis 
14.11.2002
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Karin Guenther Deutschland Hamburg
Autor/innen
Jens Asthoff
Künstler/innen
Silke Otto-Knapp

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