Stephen Craig im Haus Lange und Stefan Ettlinger im Haus Esters

Stephen Craig · The Time Machine, 2001, Bemaltes Holz, Metal, Glas,
250 x 200 x 200 cm, Foto: Gregor Jansen

Stephen Craig · The Time Machine, 2001, Bemaltes Holz, Metal, Glas,
250 x 200 x 200 cm, Foto: Gregor Jansen

Besprechung

Die Ausstellungen des irischen Bildhauers und des Düsseldorfer Malers präsentieren sich als Wechselspiel von exaktem Modellbau und suggestiver Flächenkonstruktion.

Stephen Craig im Haus Lange und Stefan Ettlinger im Haus Esters

Seit seiner gefeierten Beteiligung an der documenta X und den Skulpturprojekten 1997 sind Stephen Craigs (*1960) klare, dem Konstruktivismus entlehnten Architekturmodelle einem breiten Publikum bekannt. Denkt man an Architektur, an eine funktionale Nutzung des Raumes, sind die exakt gebauten Architekturen jedoch zuerst Skulptur – eine Beschreibung des Raumes ohne funktionalen Anspruch. Den Besucher empfängt ein Ensemble, in dem diese wesentlichen Elemente deutlich werden. Ein farbig lackiertes Wandpaneel mit schwarz-weissen Mustern wird ergänzt durch das Modell eines Pavillons, in dem eine Plexiglasröhre Zylinder mit den gleichen Mustern auf verschiedenen Ebenen beherbergt. Showcase, Wandornament, Innen- wie Aussenraumdesign, die Anleihen sind vielfältig und die konkrete Nutzung gleichwohl unbestimmt. Dominierend ist ein rundes Tempelchen in knalligen Farben, in welches man sich setzen darf und in dessen zentraler Plexiröhre Symbole rasant rotieren. Im Pavillon sitzend wird einem schon bald schummrig und die Welt dreht sich noch schneller als sie es ohnehin schon tut. Der Titel lautet mehrsinnig «Time Machine». Die Rummelplatzanleihen von Karussell- und Achterbahnanlagen interessieren Craig, und er sieht sie auch als Fotograf mit dem Auge des auf architektonische Strukturen lauernden Bildhauers. Die beiden Modellabwandlungen des Hauses von Buster Keaton im Film «One Week» von 1920 führen assoziationsreich und ironisch zu Tatlin, Duchamp oder Gehry. In den vielfältigen Projekten für den öffentlichen Raum, angesiedelt zwischen Meditation und Design, stellt der mittlerweile in Karlsruhe an der Fakultät für Architektur lehrende Craig sein Gefühl für Raum, Material, Form und Farbe amüsant und lehrreich dar. In Krefeld wurde sein Engagement jetzt mit dem Kunstpreis der Adolf-Luther-Stiftung geehrt.

Ettlinger ist mit seiner Malerei dem Thema Stadt, aber auch der medialen Betrachtung und Bewegung nahe. In einer irritierend unklaren wie fremdartigen Welt zwischen Neo Rauch und Daniel Richter konstruiert Stefan Ettlinger (*1958) Räume von abstruser Nähe und verschwommen designter Oberfläche, deren Ansicht und Absicht so banal wie überzeugend sind. Er benutzt Filmstills, Postkarten oder den Fernseher, eigentlich alles, was einer medialen Welt-Wahrnehmung dient. Auf der Leinwand kombiniert er bisweilen einzelne Ausschnitte zu Déjà-vus, die an Fotoalben erinnern. Der Raum erhält eine erstaunlich diskontinuierliche Qualität, so als sei die Luft raus, während die suggestiven Farben den Menschen als Individuum be- und erzeugen. Von dieser Malerei wird der Mensch nicht
satt – und das will etwas heissen heute. Mit Katalogen.

Bis 
02.11.2002

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