Homecoming im Loop

Ana Axpe · The Last Dynasty, 2002, Videostill

Ana Axpe · The Last Dynasty, 2002, Videostill

Besprechung

Das Thema «home» ist derzeit überaus angesagt, doch bereits die offensichtliche Angst, den deutschsprachigen Begriff «Heim» für dieses Phänomen zu nutzen, verrät: Der Rückzug «in die eigenen vier Wände» ist kein unproblematischer, sondern erweist sich einerseits als tendenziell biedermeierlich, andererseits zudem als höchst trügerisch. Diese Zweischneidigkeit vermeintlicher Behaglichkeit treibt jetzt die Ausstellung «homecoming» auf die Spitze.

Homecoming im Loop

Die Welt steht buchstäblich Kopf: Daniel Robert Hunzikers «Hütte», 2003, liegt wie vom Winde verweht bäuchlings auf dem Boden des Ausstellungsraumes. Im Inneren des Gartenhäuschen wachsen unter dem Dach einige Grünpflanzen, grell beleuchtet von zwei langen Neonröhren. Erste und zweite Natur sind in dieser «Hütte» kaum noch zu scheiden, das Drinnen und Draussen verliert zudem genau wie das Oben und Unten seine eindeutige Trennschärfe – wie gesagt: Die Welt steht Kopf in diesem Heim. Auch Christian Vetters «Monument Valley», 2003, spielt mit dem Verkehren von Innen und Aussen. Der junge Zürcher hat dazu einen Gang aus zwei hölzernen Fassaden mit Fenstern gebaut, an die er rückwändig drei kitschige Landschaftsbilder gehängt hat, daneben warten ein aufgeklebter Kamin, auf ihm steht eine gebastelte gelbe Uhr. Ein modellartiges, typisch bürgerliches Interieur hat Christian Vetter also nach Aussen verlegt, der Innenraum des «Monument Valley» dagegen bleibt, wie der Blick durch die Fenster sofort verrät, seltsam leer, verlassen und öde. Den dritten Raum im Raum in der Ausstellung «Homecoming» hat Clare Goodwin installiert. Auf den ersten Blick meint man bei «One point of view», 2003, in eine ach so bunte Wohnung zu schauen, schnell aber merkt man bei dem Blick durch die offene Tür des Raumes, dass dieses Zimmer mit Hilfe billiger Pappe und Malfarbe nachgestellt wurde. Dieser echte Fake eines falschen Zimmers erweist sich zudem als extrem unaufgeräumt und schäbig, selbst die für ihre Errichtung benötigten Werkzeuge sind hier noch zu sehen. Die Behaglichkeit der «eigenen vier Wände» wird so als eine hausgemachte Lüge vorgestellt, als dumpfe Ideologie, die sich im Zeitalter von Globalisierung und postmodernem Nomadentum wohl längst überlebt hat.

Ist der Mensch in diesen Exponaten offensichtlich abwesend, so ist er in den letzten beiden Arbeiten der sensibel von Oliver Kielmeyer kuratierten Ausstellung umso auffallender. Die Videos von Ana Axpe aus ihrem Langzeitprojekt «No firmo!» konfrontieren den Betrachter nämlich mit der fiktiven Geschichte der Schwestern Adela und Olga. Erstere ist eine erfolglose Schauspielerin, letztere eine in einer psychischen Klinik lebenden Künstlerin. In der Episode «Adela and Olgas Fight», 2000, kämpfen beide liegend auf dem Boden miteinander. Folglich ist das Video auch auf den Boden des Ausstellungsraumes projiziert. In «The Last Dynasty», 2002, schliesslich zertrümmert Adela nach einem kurzen Telefonat das Büro ihres Ehemannes Maximilliano, spielt dabei ihre Rolle aber so angestrengt schlecht, dass sich die Verlogenheit solcher Soap-Operas eindrucksvoll entlarvt. Katalog Euro 5.–.

Bis 
26.10.2003

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