Xavier Veilhan im Centre Pompidou/espace 315

Xavier Veilhan · Le Zodiac, 2004 und Big Light Machine, Jet, 2004,
im Hintergrund Paysage Fantômes, 2004 © Centre Pompidou, Fotos: Georges Méguerditchian

Xavier Veilhan · Le Zodiac, 2004 und Big Light Machine, Jet, 2004,
im Hintergrund Paysage Fantômes, 2004 © Centre Pompidou, Fotos: Georges Méguerditchian

Besprechung

Mehr als zehn Jahre ist es her, so betont das Centre Pompidou, dass Xavier Veilhan in einer Pariser Institution mit einer
Einzelausstellung gewürdigt wurde. Nun besetzt er den espace 315 und mit einem monumentalen Mobile das Forum des Centre. Der präsente Künstler verdankt viel der Dijoner Kuratoren-Gruppe «Le consortium». Sie holten ihn letztes Jahr in seine Geburtsstadt Lyon auf die Biennale und Consortiums-Mitglied Eric Troncy zeigte bei Yvon Lambert in Avignon eines seiner «tableaux lumineux».

Xavier Veilhan im Centre Pompidou/espace 315

Bewegte Bilder aus Glühbirnen, die an LED-Bildschirme erinnern, gehören zweifellos zu den erstaunlichsten Arbeiten des vielseitigen französischen Bildhauers. Seine frühen Arbeiten verweigern sich deutlich einer auch von den Dijonern gern kritisierten «Ultra-Kontemporanität». Seit Anfang der neunziger Jahre hat er sich der Frage des Lichtbildes und dessen Beziehung zur Realität zugewandt. Für den espace 315, der Auftragsarbeiten für die Sammlung des Museums zeigt, ist eine Installation entstanden, die Skulptur, Fotografie und Film miteinander verbindet.

Bewegung ist das Hauptmotiv dieser Assemblage: Ein erstarrter Zodiac in Originalgrösse hängt im Raum, der sich nach hinten zentralperspektivisch verjüngt. In der Zielgeraden des schwebenden Bootes eines der Leuchtbilder, auf dem vage Flugzeuge auszumachen sind. An der Seitenwand des Raumes hängen fast unbemerkt «paysages fantômes», gepixelte Bilder, per Sandstrahl auf Aluminium gebracht. Veilhan inszeniert den Raum als Skulptur und die Plastik als Bewegungsindikator, «verschiebt die Grenzen des Werks und seiner Produktion. Für ihn ist das Reale ein dynamischer Prozess», so Kuratorin Christine Macel.

Die Dynamik des französischen Kunstbetriebs weiss er in jedem Fall zu nutzen. Im Louvre, der unter dem Titel «Contrepoint» bis 10. Februar kommenden Jahres einen Dialog zwischen zeitgenössischen und alten Werken eingerichtet hat, ist er ebenso dabei wie in der Eröffnungsschau des Jeu de Paume. Die Vasarely-Stiftung in Aix en Provence zeigte im Frühjahr eine Installation und bis Ende September leuchteten seine «Light Machines» in der Abtei Cluny im Südosten Frankreichs,
zwischen Dijon und Lyon.

Das computergesteuerte Flimmern ruft banale Bilder auf. Es geht nicht um das Bild, sondern um seinen Träger. Das Licht-Pixel wird zur Skulptur und mit ihm unser Bilder-Alltag zum Kunstwerk. Philippe Dagen, Chefkritiker der «Monde», hat sich gern davon «hypnotisieren» lassen und die «tableaux lumineux» mit den Bilderalben von Christian Boltanski verglichen. Veilhan geht es aber weniger um Erinnerung als vielmehr um die Dynamik des Wiedererkennens ? beispielsweise von analytischen Werken des Pointilismus eines Seurat oder Signac. Mit der Ausstellung «Vanishing Point» setzt er den Raum im Fluchtpunkt von Skulptur, Foto und Licht-Video in Bewegung. Das monumentale Mobile im Forum des Centre rundet den Ausbruch der projizierten Bilder in die dritte Dimension spektakulär ab. Katalog, als Nr. 5 der Reihe «Collection 315», mit Texten des Künstlers, f/e, 18 Euro.

Bis 
14.11.2004
Autor/innen
J. Emil Sennewald
Künstler/innen
Xavier Veilhan

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