Amden: Annelies Strba und Adrian Schiess

Annelies Strba · Nyima, 2005

Annelies Strba · Nyima, 2005

Kunst am Bau

Amden: Annelies Strba und Adrian Schiess

Kurator Roman Kurzmeyer lädt seit Jahren zu überraschenden Kunstereignissen nach Amden ein, eine Gemeinde hoch über dem Walensee. Dort bespielt er in einem Langzeitprojekt seit 1999 - auf den historischen Spuren der lebensreformerischen Siedlung «Grappenhof» und der Künstlerkolonie um Otto Meyer-Amden (1885-1933) - diverse Lokalitäten im Innen- und Aussenraum mit internationaler Kunst. Dabei achtet er darauf, dass die ausgestellten Werke immer einen direkten Bezug zum Ort aufweisen. In diesem Frühjahr hat er nun dem Maler Adrian Schiess (*1959, lebt in Mouans-Sartoux, Frankreich) mit seinen äusserst raffinierten spiegelglatten Malereien im «Gaden» unterhalb des ehemaligen Wohnhauses von Otto Meyer-Amden Gastrecht gewährt. Dort liegen sie nun, die rot-grün changierenden, violetten und hellblauen PVC-Platten, weich eingebettet zwischen grau gewordenem Astholz, gigantischen Spinnenweben und dichten Staubwolken, wie ein fetischisiertes Versprechen von Sinnlichkeit und Eleganz. Und gleichzeitig findet in ihnen der in der Ferne glitzernde See ein mehrfaches Echo.

Im August ergänzte nun Annelies Strba (*1947 in Zug, lebt in Richterswil und Amden) diese Installation von Adrian Schiess mit einer Präsentation von Fotoarbeiten und einer Videoprojektion im Ortsmuseum sowie im nahe gelegenen Café Post. Die Künstlerin kennt den Ort aus eigener Anschauung, da sie hier seit einigen Jahren ein Wohnatelier betreibt. Die hier entstandenen und nun gezeigten Arbeiten weisen darum auch mehr als einen flüchtigen Ortsbezug auf. Im Video «Frances und die Elfen», 2004, geht sie einem lokalen Mythos nach und hat sich auf die Suche nach Elfen gemacht. Die sanft wirbelnden Bildsequenzen sind berückend schön und entführen uns im Sog tanzender Frauengestalten an magische Orte in die nahe gelegenen Wälder. Man kann sich der Bannkraft der sich in flirrenden Licht- und Farbflecken verdichtenden und auflösenden Bildern kaum entziehen. Doch so sphärisch diese Aufnahmen auch sind, so konkret ist ihr lokaler Bezug. Sowohl für das Video als auch für die ebenfalls neu entstandene Fotoserie «Bauernporträts», 2005, hat Annelies Strba ihre Modelle in der nächsten Umgebung gefunden.

Auf den Fotos sind ausnahmslos muntere Bäuerinnen und Bauern zu erkennen, die sichtlich überrascht in die Kamera strahlen. Da blicken uns nebst wettergegerbten Einzelgängern in kniehohen Gummistiefeln ganze Familien entgegen, die mit Katze und Mistgabel vor dem Stall posieren. Die Fotos sind berührend direkt und unmittelbar, weitab einer kühlen typologischen Sachfotografie, und dennoch mit einer sich erst in der Serie erschliessenden Intensität. Mit diesen neuen Werken hat die Künstlerin den Genius Loci kongenial aufgenommen und der örtlichen Künstlergeschichte ein überzeugendes eigenes Kapitel angefügt. Annelies Strba bis 27.11.

Autor/innen
Claudia Jolles

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