Dominik Stauch im Museum Liner

Dominik Stauch · Fibonaccis Racing Team, 2004/05, Inkjet Prints, Diasec, je 163 x 100 cm, Aufnahme aus der Galerie Bernhard Bischoff & Partner

Dominik Stauch · Fibonaccis Racing Team, 2004/05, Inkjet Prints, Diasec, je 163 x 100 cm, Aufnahme aus der Galerie Bernhard Bischoff & Partner

Besprechung

In seiner ersten Museums-Einzelpräsentation arrangiert Dominik Stauch (*1962) aus Thun neuere und neueste Arbeiten zu einem Parcours über Glück und Unglück, Erfolg und Misserfolg.

Dominik Stauch im Museum Liner

Dominik Stauch siedelt seine Ausstellung zwischen Zitaten von Beat-Generation-Ikone William S. Burroughs an: «Plunge when you win», «Fold when you lose». In Chill-out-Rooms erscheinen diese «Words of Advise» als Wandschrift, jeweils begleitet vom Stauch-typischen Minimalsound, der wie langsam nachgespielte Rockmusik klingt, und unifarbenen Teppichen mit regelmässigen runden Löchern, die für Ein- und Abtauchen stehen. Daneben ruhige Videoarbeiten, schwarz-weisse Variationen von Stauchs dominierendem Sujet: der geometrischen Figur im Raum. Bestimmend ist diese auch im digitalen Triptychon «Fall Back» von 2003, mit dem der Parcours beginnt. Drei Projektionen zeigen farbige Rechtecke, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen. Gemäss der Beobachtung, dass sich beim Blick aus dem fahrenden Auto ferne Landschaftspartien langsamer zu bewegen scheinen als die Bäume, die in nächster Nähe verwischend schnell vorbeigleiten, entsteht ein Eindruck von Räumlichkeit. In der Appenzeller Ausstellungssituation steht die Arbeit für den verunsichernden Versuch, sich in einer fremden Umwelt zurechtzufinden. Ähnliches streben auch die «Studies for a Naked City» von 2005 in einem der mittleren Räume an, grossformatige geometrische Figuren auf Glas, die den Betrachter hinsichtlich der Räumlichkeit in die Irre führen und ihn per Spiegelung selbst ins Werk hineinziehen.

Ein deutlicherer Bezug zum selbstgewählten Thema der Ausstellung findet sich in Arbeiten wie «Requiem/Caught in a Cage» oder «Big Boogie», beide 2005, denen Geschichten über Ruhm und Vergessen zugrunde liegen. Das audiovisuelle Requiem spielt auf Zufall und Beliebigkeit bei der Verteilung der Publikumsgunst an: Die Tonfolgen wurden ausgewürfelt, gewidmet ist die Arbeit vier Künstlern, die ein 1961 verlegtes Kunst-Handbuch vom Flohmarkt als Wegweiser der Abstraktion nennt: Kandinsky, Kupka, Malewitsch und Mondrian. Die skulpturale Arbeit «Big Boogie» bezieht sich auf Mondrians Spätwerk, das durch die geometrische Strassenführung Manhattans beeinflusst war, sowie den Jazz-Pianisten Albert Almonds, der früh vergessen als Taxifahrer in New York arbeitete.

Das Thema der von Stauch selbst eingerichteten Ausstellung beinhaltet natürlich auch eine sehr persönliche Dimension, das Durchspielen des möglichen eigenen Erfolges und des ebenso möglichen eigenen Scheiterns. Allerdings bedient sich Stauch sowohl in seinen medialen Arbeiten als auch in Bildern und Objekten einer betont nüchternen, sauber reduzierten, formelhaften Sprache, die das Individuelle weitgehend ausblendet. Neben den in die Ausstellung eingebauten Zitaten gewährt eine Art Materialraum mit Texten zu Autoren, Künstlern und Ideen, die Stauch beschäftigen, Einblick in das, was hinter den grafisch wirkenden Arbeiten steckt.

Bis 
07.01.2006
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Dominik Stauch

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