«HELDEN heute» im Centre PasquArt

AES+F · Action Half Life, Episode 2 # 14, 2004, 150 x 120 cm, C-Print/Digital-Collage, Inkjet-Print auf Leinwand, Courtesy Galerie Ruzicska Salzburg

AES+F · Action Half Life, Episode 2 # 14, 2004, 150 x 120 cm, C-Print/Digital-Collage, Inkjet-Print auf Leinwand, Courtesy Galerie Ruzicska Salzburg

Besprechung

Helden regieren die Welt. Ob Superman oder Papst, Pin-up-Girl oder Musicstar, ob Präsident oder Partisan, Opfer oder Täter - die Medien-, die Game- und die Filmindustrie machen sie alle zu «Helden». Und
die Kunstschaffenden ziehen mit - häufig entlarvend, selten Anteil nehmend, zuweilen selbst den «Helden» oder die «Heldin» mimend. An die fünfzig zeitgenössische Heldenporträts zeigt zurzeit das Centre PasquArt in Biel.

«HELDEN heute» im Centre PasquArt

Die von Dolores Denaro kuratierte Ausstellung nimmt mit «HELDEN heute» ein Thema auf, das allgegenwärtig und zugleich schier unerträglich ausgebeutet scheint. Die Ausstellung vertritt dabei keine These - sie überflutet die Besuchenden. Sie versetzt sie ins gleissende Licht des Glamours, lässt sie teilhaben an Siegerposen, rührt an ihrer Seele, führt sie in virtuelle Welten. Kaum ein Held, der in dieser Flut als Held überlebt, geschweige denn auf dem Sockel bleibt.

Die vertretenen Künstlerinnen und Künstler stammen zu einem wesentlichen Teil aus der Schweiz, aber auch aus der EU, Australien, den USA usw. Darunter sind bekannte wie die Schweizer Com&Com, denen das Thema geradezu auf den Leib geschrieben ist, oder der Franzose Gilles Barbier. Unbekanntere sind der Pole Rafal Bujonowski oder die Schweizerin Anne-Julie Raccoursier. Die einen zeigen neue Arbeiten, andere Werke wurden gezielt gewählt, wie beispielsweise Marina Abramovics Reiter-Standbild mit roter Fahne oder «Sisters in the Sky» von Simone Aaberg Kaern. Jedoch gerade diese beiden Werke, welche den Heldenbegriff deutlich thematisieren, weisen auf die latente Gefahr, dass die Vielfalt die Haltungen nivelliert und die künstlerische Qualität hinter das Motiv zurücktritt.

Die Ausstellung ist strukturiert durch Kapi-tel wie «Sport», «Beauty», «Film und Musik», «Kunst», «Politik», «Religion» und natürlich auch den scheiternden «Antihelden». Wir begegnen Daniele Buetti, der zum Stichwort Schönheit fragt: «Welche Opfer verlangst Du von mir», Stefan Banz & Caroline Bachmanns Historienbild «As I opened fire» oder auch Alex Cecchettis «Wundertaten» des hl. Franziskus.

Dabei wird das Thema des Heldentums weit aufgefächert - von den Fotomontagen der im Sinai mit Waffen spielenden Kinder des Moskauer Künstlerkollektivs AES+F bis zu den Romantisierungen grosser Frauen, die im Zeichen des Skorpions geboren wurden von Tracey Moffatt. Die Arbeiten der selbst im Skorpion geborenen Australierin verweisen indirekt darauf, dass der Künstler oder die Künstlerin in dieser Thematik eigentlich befangen sind, da sie ? ob bewusst oder unbewusst ? letztlich alle im Spannungsfeld von selbstgenügsamer künstlerischer Tätigkeit und heroischem Weltveränderungsdenken stehen. Köstlich wie der Performer Heinrich Lüber das Problem löst: Er präsentiert in einer Rauminstallation all die «Krücken», die er braucht, um beispielsweise über einem Hochhaus in der Luft zu schweben. Und wenn die junge Britin Claire Goodwin, Mauricio Cattelans komplex angelegten Esel mit TV-Gerät nachstellt, fragt man sich unweigerlich: Wer zehrt da von wessen Heldentum?
Katalog mit Essays von Helmut Linneweber, Jacques Piccard, Jürg Halter und anderen, edition clandestin (Auslieferung ab 30.10.)

Bis 
26.11.2005

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