Rémy Markowitsch im Coninx Museum

Rémy Markowitsch · Spirit, Coninx Museum, Zürich

Rémy Markowitsch · Spirit, Coninx Museum, Zürich

Besprechung

Zur Wiedereröffnung des Coninx Museums deutet der Schweizer Künstler Rémy Markowitsch Sammlung und Persönlichkeit von Werner Coninx mit
subtilen Interventionen.

Rémy Markowitsch im Coninx Museum

Die Heimatstil-Villa am Zürichberg von Werner Coninx (1911-1980), einem Sohn des «Tages-Anzeiger»-Gründers Otto Coninx, birgt eine Sammlung von über 14 000 Werken. Coninx, der selber Kunstmaler war, doch mit der Zeit einsehen musste, dass sein Talent ihm nicht zum grossen Erfolg verhelfen würde, sammelte nicht zuletzt aus kompensatorischen Gründen. Neben bedeutenden Werken der Schweizer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts und Plastiken aus Indien, Südostasien und Afrika liegt ein Schwerpunkt der Sammlung auf grafischen Blättern von Malern der klassischen Moderne. Zur Wiedereröffnung des Coninx-Museums hat die Kuratorin Angelika Affentranger-Kirchrath den Künstler Rémy Markowitsch eingeladen, künstlerisch auf die Sammlung zu reagieren. Markowitsch, der seine situationsbezogene Kunst als «work in progress» versteht und dabei kompiliert, umwertet und durchleuchtet, transformiert hier Bestehendes in mal subtiler, mal überraschender und mal einschneidender Weise.

Die 1997 gründlich modernisierten und purifizierten Räume hat nun Rémy Markowitsch mit «Spirit» - so der Titel der Ausstellung - belebt und auch alte Geister wachgerufen. So referiert er mit einer Flaschenwand aus über 2000 leeren, grünen Weinflaschen auf die ehemalige Hausbar des Salons. Die Installation «You are not alone» hatte er schon 2004 für das Kirchner Museum in Davos ausgeführt. Stand damals die psychische Befindlichkeit Ernst Ludwig Kirchners im Visier, so hier die introvertierte und eigenwillige Persönlichkeit von Werner Coninx, der sich mit Vorliebe in seiner Sammlung zurückzog. Mit dieser Flaschenwand werden die an der gegenüberliegenden Wand hängenden düsteren Zeichnungen von Gregor Rabinovitch, Fritz Pauli, Iganz Epper und Robert Schürch in dunkeltonige, vielfältige Grünreflexe getaucht. Von ihnen geht eine beklemmende Stimmung und eine unheilschwangere Atmosphäre aus, eine in den Zeiten der beiden Weltkriege und der Weltwirtschaftskrise weit verbreitete Befindlichkeit.

Einen Eindruck von Coninx' Sammlermanie gewinnt man durch die Videoarbeit «Porträt einer Sammlung», welche die Sammlungsstücke in Sekundenbruchteilen übergross auf eine Wand projiziert. Da tauchen die in Lagerräumen verstauten Sammelstücke auf und die Fülle des Vorhandenen wird bewusst gemacht. Dazu ertönt die Stimme von Markowitsch, der aus Max Frischs «Montauk» eine Passage vorliest, in der Frisch seinen Jugendfreund Werner Coninx charakterisiert hat. Auf eine weitere Spur von Frisch treffen wir in der Arbeit «Fresh Frisch», einem sperrigen Schrank, den Frisch für Coninx entworfen hatte und den Markowitsch zusammen mit dem Kunstschreiner Martin Schmid in einen Bücherschrank verwandelt hat. Beide Installationen variieren Markowitschs Projekt «Bibliotherapy», dem das Buch als Bildarchiv und die sich über das Bild erschliessende Sprache zugrunde liegt. So entpuppt sich der Gang durch die Ausstellung als roter Faden, den Markowitch angelegt hat, um Sammlung undSammlerpersönlichkeit von Coninx mit seiner eigenen Arbeitsweise zu verquicken und letztlich auch zu deuten. Den roten Faden nimmt die Kuratorin ihrerseits auf und entwirft damit gewissermassen ihr künftiges Ausstellungskonzept. Mit Publikation.

Bis 
22.04.2006
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Rémy Markowitsch

Werbung