Peter Peri in der Kunsthalle Basel

Peter Peri · Country 10, 2006, Öl auf Leinwand, 123 x 92 cm, Courtesy der Künstler und Counter Gallery, London, Foto: Andy Keate

Peter Peri · Country 10, 2006, Öl auf Leinwand, 123 x 92 cm, Courtesy der Künstler und Counter Gallery, London, Foto: Andy Keate

Besprechung

Die Gemälde des britischen Künstlers Peter Peri (*1971) kann man durchaus in einer Reihe von «Black Paintings» von Malewitsch zu Frank Stella und Ad Reinhard lesen. Und wie diese sind auch Peris Bilder weit mehr als nur Schwarz. Die Ausstellung umfasst in den drei Räumen des Obergeschoss die Werkgruppen Malerei, Zeichnung und einen Film.

Peter Peri in der Kunsthalle Basel

«Country 10», so der Titel eines der Bilder wie auch der gesamten Ausstellung, geht zurück auf die futuristische Oper «Sieg über die Sonne» von 1913, für die Malewitsch das Bühnenbild entwarf. In jener Vision der Moderne geht es um den Sieg des Menschen über die Natur: futuristische Kraftmenschen haben die Sonne vom Himmel geholt und in einen dunklen Bunker gesperrt. Malewitsch´ Bühnenbild, dessen Entwürfe immer wieder ein Quadrat in einem Quadrat zeigen, gilt als Geburt des Suprematismus, der 1915 im «Schwarzen Quadrat auf weissem Grund» (eigentlich ein schwarzes Quadrat in weissem Rahmen) seine Vollendung fand. Das Bild von Peter Peri, das sich auf dieses «zehnte Land» bezieht, zeigt eine blassgrüne Halbkugel auf tiefschwarzem Grund, eingesperrt in einen Rahmen aus feinen, gebrochenen Linien, welcher durch angedeutete Fluchtlinien in eine unbestimmte Ferne rückt. Das Schwarz weist Kratzspuren, Krusten und Überarbeitungen auf und von der erlöschenden Sonne tropft die Farbe.

Die Bilder Peris überraschen vor allem durch ihre eigentümliche Materialität. Auf den gesprayten und mehrfach überarbeiteten Leinwänden erscheinen filigrane Gitterstrukturen, Kreisformationen und prismatische Gespinste als feine, farblich changierende Linien, die den Eindruck erwecken, als läge die gesamte Farbskala unter den Schichten von Schwarz begraben und wäre erst ? wie in der Wachskreidetechnik - durch Einritzen der Oberfläche freigelegt worden. Diese «Zeichnung» evoziert die figürliche Abstraktion Paul Klees ebenso wie die «reine» Abstraktion von Frank Stellas Streifenbildern. Und wie bei jenen deuten die Titel über das, was tatsächlich da ist, hinaus. Immer wieder werden Bezüge zu Literatur, Architektur, und den verschiedenen Positionen der Moderne hergestellt. «The Melancholy of Departure», ein Netz aus Diagonalen, bezieht sich im Titel auf ein Gemälde von Giorgio de Chirico. «Madeloc», das einen Kreis in einer Art vierschaligem Turm zeigt (und das den abstrahierten Architekturlandschaften Paul Klees wohl am nächsten steht), erinnert an einen Wachturm in Port Bou an der französisch-spanischen Grenze, während «Hostage City» an den Grundriss einer Stadt beim nächtlichen Anflug denken lässt.

Der Film «28B Camden Street» besteht aus dokumentarischem Filmmaterial, das den Abbruch eines Künstlerviertels im London der sechziger Jahre zu einer fast zeitlosen Allegorie über Krieg, Zerstörung, und Aufbruch werden lässt. Zurück bleibt ein unbestimmter Ort der Dunkelheit, gleich dem «zehnten Land.»

Bis 
18.11.2006
Künstler/innen
Peter Peri
Autor/innen
Eva Scharrer

Werbung