Roman Signer im Centre culturel Suisse

Roman Signer · Kanal, 2005, Skulptur aus Holz, Luftballons, Sand, Ventilatoren, 4 x 4 m, Foto: Marc Domage

Roman Signer · Kanal, 2005, Skulptur aus Holz, Luftballons, Sand, Ventilatoren, 4 x 4 m, Foto: Marc Domage

Hinweis

Roman Signer im Centre culturel Suisse

Es gibt witzige Kunstwerke: Werner Reiterer fordert in der aktuellen Gruppenausstellung im Palais de Tokyo mit einem Zettel dazu auf, laut zu schreien. Schreit man, geht das Licht rhythmisch an und aus und man hört lautes Stöhnen - und alle schauen einen irritiert an. Auch Erwin Wurm macht viele Witze. Dann gibt es Arbeiten, die neben Scherz, Satire und Ironie auch tiefere Bedeutung haben, den Dingen der Welt, die wir uns einrichten, ihre Poesie abgewinnen. Francis Alÿs beherrscht das. Fischli und Weiss sind Meister darin. Nun, nachdem Letztere die Räume des Kulturzentrums im Marais ausgefüllt haben, bringt Roman Signer die Besucher zum Schmunzeln. Es ist die erste Einzelausstellung in einer Pariser Institution des seit den siebziger Jahren explosiven Aktionskünstlers: «Ich musste einfach raus, in die Natur, kann nicht still sitzen.» Im CCSP präsentiert sich ein beruhigter 68-Jähriger - der nichts von seiner poetischen Sprengkraft eingebüsst hat. Sehr schön das Carré aus Holz, durch das Luftballons von an allen vier Ecken aufgestellten Ventilatoren gejagt werden. Oder der Apfelbaum im ersten Stock, der anhand einer Maschine vom Erdgeschoss aus an einem roten Faden gezogen und gerüttelt wird: «Vielleicht werden die kleinen Äpfel im Laufe der Ausstellung ja herunterfallen», überlegt Signer. Mit dem dritten Teil der Reihe «Aller/Retour» sollen weitere Entwicklungslinien der Kunst gezeigt werden. Signer lässt die Linien in seinem eigenen Werk erkennen, «die im Rückblick gerade zu verlaufen scheinen». Ein Teil der Aktions-Dokumentationen läuft auf einer Reihe von Fernsehbildschirmen. Darüber erklärt in schwarzweiss eine Gebärdendolmetscherin, was darunter zu sehen ist. Hier kreuzen sich die Poesie der Sprachgebärde mit jener der künstlerischen Geste und man sieht, wie die Kunst jede ihr zugewandte Geste infiziert. «Wenn meine Kunst nichts nützt», so Signer abschliessend, «dann nützt sie doch mir, denn ich sehe nun Dinge, die mir vorher entgangen sind.» Zeitgleich erscheint bei Phaidon die erste vollständige Monografie von Signer.

Bis 
11.11.2006
Autor/innen
J. Emil Sennewald
Künstler/innen
Roman Signer

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