«Vishnu» im Völkerkundemuseum

Jacob van Meurs · Erste Herabkunft Vishnus, in: Olfert Dapper, Asia, 1672, Amsterdam, Radierung und Grabstichel

Jacob van Meurs · Erste Herabkunft Vishnus, in: Olfert Dapper, Asia, 1672, Amsterdam, Radierung und Grabstichel

Hinweis

«Vishnu» im Völkerkundemuseum

Seit dem 16. Jahrhundert tauchten in europäischen Büchern präzise Informationen über Indien auf. Nach der erfolgreichen Umsegelung der Südspitze Afrikas und der folgenden Kolonisa-tion indischer Küstenstädte durch Portugiesen, Niederländer, Franzosen und Engländer gelangten die Berichte der Reisenden - unter denen sich neben Seefahrern, Kriegern und Händlern auch Geistliche und Abenteurer befanden - nach Europa, wo sie im jungen florierenden Buchwesen und bei den neuen Techniken der Bildreproduktion, mittels Holzschnitten und später den feineren und detailreicheren Kupferstichen, aufgearbeitet und verbreitet wurden. Der Buchdruck ermöglichte eine immense Ausweitung der Kenntnisse über Indien, die zugleich auch eine Konzentrierung auf bestimmte Themengebiete mit sich brachte. Diese frühen Darstellungen haben die Vorstellungen des Westens über Indien bis heute entscheidend geprägt. Besondere Aufmerksamkeit erhielten dabei immer wieder die verschiedenen religiösen Feste und Prozessionen und die vielarmigen Götter. Neben Brahma, dem Weltenschöpfer, und Shiva, dem gnädigen Zerstörer, ist es vor allem Vishnu, der Erhalter der Welt, der in der Breite seiner zehn Erscheinungsformen viel Raum einnimmt. Aber auch Prozessionen und Kasteiungen zu Ehren des Gottes gehören nunmehr zum festen Bestandteil von Darstellungen zur indischen Religion und beeinflussen die Themen- und Bildauswahl späterer (in Europa oder in Indien forschender) Illustratoren und Autoren wie Bernard Picart oder Pierre Sonnerat bis weit ins 18. Jahrhundert hinein. Trotz grundsätzlicher Vorbehalte den «heidnischen Abgöttern» gegenüber gingen die Berichterstatter und grafischen Künstler mit grosser Sorgfalt und Genauigkeit hinsichtlich der Wiedergabe des Gesehenen vor und schufen eine verlässliche Grundlage: Diese frühen Bilder zählen zu den Anfängen einer visuellen Wissenschaft vom Menschen. Dank des die Ausstellung begleitenden Buches von Paola von Wyss-Giacosa, Religionsbilder der frühen Aufklärung: Bernard Picarts Tafeln für die «Cérémonies et Coutumes religieuses de tous les Peuples du Monde» (Benteli Verlag) kann man sich in aller Ruhe auch zu Haus im Sessel auf die Miniaturen
einlassen.

Bis 
11.11.2006

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