David Claerbout im Centre Pompidou, espace 315

David Claerbout · Sections of a Happy Moment, 2007, Videoprojektion, schwarz/weiss, Stereo, 26 Min., Courtesy David Claerbout, Galerie Yvon Lambert, Galerie Micheline Szwajcer, Hauser und Wirth, © ProLitteris, Zürich

David Claerbout · Sections of a Happy Moment, 2007, Videoprojektion, schwarz/weiss, Stereo, 26 Min., Courtesy David Claerbout, Galerie Yvon Lambert, Galerie Micheline Szwajcer, Hauser und Wirth, © ProLitteris, Zürich

Hinweis

David Claerbout im Centre Pompidou, espace 315

Dem Philosophen Jacques Rancière zufolge bewegt sich das kinematografische Bild immer zwischen «Ding» und «Ich». Das Bild des Kinos bewegt Gegenstand wie Betrachter. Ein Leitmotiv der Arbeit des belgischen Künstlers David Claerbout. In seinem Video «The Stack», 2002, zeigt er einen unter Autobahnbrücken schlafenden Obdachlosen vor einer Sonne, die hinter einem Wald aus Betonpfeilern untergeht. Das Objekt, die Sonne, sei, so Claerbout, Akteur des Films, um das Thema, die Sozialkritik, in den Hintergrund zu stellen. Das Subjekt wird zum nebensächlichen Detail. Personen sind in den Videos des 38-jährigen Künstlers oft seltsam objekthaft. Wie viele Videokünstler manipuliert er das gefilmte Material, montiert in «Bordeaux Piece», 2004, 68-mal dieselbe 11-minütige Szene zu verschiedenen Tagesabschnitten, um «das Gegenteil» von Narration zu erreichen. Statt eines Erzählstromes soll der eigenartige Zeit-Raum des Filmbildes erkennbar werden. In «Sections of a Happy Moment», eines seiner neuesten Videos, streckt ein ballspielendes Kind die Arme aus. Dann sehen wir eine Skulptur in ähnlicher Haltung. Ding und Mensch, Starres und Bewegtes tauschen Eigenschaf-ten aus. Claerbout will dem Betrachter die Eigendynamik des Bildes vorführen. Er soll bemerken, wie sehr ihn das bewegte Bild determiniert und sich zugleich von dem unterscheidet, was er sonst als «Realität» bezeichnet. Das Centre Pompidou setzt mit fünf grossen Projektionen, darunter das für die Sammlung erworbene «Bordeaux Piece», eine Reihe anspruchsvoller Ausstellungen zum Thema «Neue Medien» fort. Kuratorin Christine Van Assche studierte einst Archäologie und Malerei des 17. Jahrhunderts. Seit 13 Jahren leitet sie die grösste öffentliche Videokunst-Sammlung Europas. Den espace 315 hat sie mit halbdurchsichtigen Stoffbahnen so strukturiert, dass man Betrachter wie Videos sehen kann. So entsteht zwischen Claerbouts Bildern und dem Projektionsraum eine Bewegung, durch die man begreift: Bevor wir vom Bild reden, erleben wir es - und sind so bei jeder Reflexion bereits im Bild begriffen. Die Ausstellung wird nach Paris in Cambridge (MIT/List Center) und später u.a. auch im Kunstmuseum St. Gallen, im UBC Vancouver, in der DePont Foundation gezeigt. www.centrepompidou.fr.

Bis 
06.01.2008
Künstler/innen
David Claerbout
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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