St. Marie aux Mines: Steiner&Lenzlinger in der Mine «Gabe Gottes»

Steiner&Lenzlinger · «Le Jardin de lune», 2007

Steiner&Lenzlinger · «Le Jardin de lune», 2007

Kunst und Bau

St. Marie aux Mines: Steiner&Lenzlinger in der Mine «Gabe Gottes»

«Viele Tage wanderte ich hier umher; Eis-Höhlen sind mein Obdach, sie allein fürchte ich nicht, sie allein neiden mir Menschen nicht» - in den glitzernden Tiefen des Eises verbirgt sich Frankensteins Monster. Ein Artefakt aus toter Materie mit menschlicher Seele. 1818 noch Mary Shelleys Roman-Fiktion, synthetisiert zehn Jahre später «Friedrich Wöhler erstmals einen organischen Stoff aus anorganischen Bestandteilen: den Harnstoff. Das war eine Sensation. Man glaubte, jetzt das Leben aus toter Materie schaffen zu können» erzählt Jörg Lenzlinger. Seit rund 15 Jahren arbeitet der Künstler mit den Eigenschaften des Harnstoffes und lässt ihn zu Kristallen «wachsen». Seit 1997 gestaltet er mit Gerda Steiner «Meta-Gärten». «Giardino calante» begeisterte 2003 in der Kirche San Staë am Canale Grande auf der 50. Biennale von Venedig mit unzähligen bunten Details, die den Kirchenraum füllten. Unlängst haben die Künstler für die 8. Sharjah-Biennale in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Salzgarten erstellt. «Dreieinhalb Wochen haben wir daran gebaut», sagt Gerda Steiner, «die Kristalle wachsen hier aus einer Lösung, die wir einer Meerwasserentsalzungsanlage vor Ort entnommen haben.» Und Jörg Lenzlinger fügt hinzu: «Wir lernen von den Kristallen, sie aber lernen auch von uns. Lösungen, die wir mehrfach verwenden, indem wir die Kristalle wieder in Wasser lösen, wachsen an einem anderen Ort schneller, ausdefinierter.» Gebildete Kristallbildung: Das klingt wieder ein bisschen nach Frankenstein. Im elsässischen Örtchen St. Marie aux Mines wuchert seit Ende Mai im Auftrag der Frac Alsace in einer stillgelegten Silbermine «Le Jardin de lune» - in der Imagination der Besucher. «Hier herrschen 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, da wachsen keine Kristalle», sagt Gerda Steiner. Vielmehr sei «im Mondgarten das Silberwachstum mental durch die Besucher gemeint. Es ist ein sehr feuchter lebendiger Garten geworden.» Anorganisches - Schläuche, Plastik-Dinosaurier, Löffel - verstrickt sich pflanzlich rankend mit dem mineralisch-metallurgischen Umfeld der Mine. Ganz im romantischen Sinne treffen Kunst und Natur im Bergwerk aufeinander: «Einem gelang es, - er hob den Schleier der Göttin zu Sais - Aber was sah er? er sah - Wunder des Wunders, sich selbst. So Novalis 1802 in seinem Roman «Die Lehrlinge zu Sais».

Bis 
14.05.2008
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Mine d'argent «Gabe Gottes» Frankreich Sainte-Marie-aux-Mines
Autor/innen
J. Emil Sennewald
Künstler/innen
Steiner/Lenzlinger

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