Hendrikje Kühne/Beat Klein und Notturno

Kühne/Klein · Ein Haufen Zeit, 2009, Abbildungen aus TV-Zeitschriften auf Spiegelfolie, 82.5 x 90 cm.

Kühne/Klein · Ein Haufen Zeit, 2009, Abbildungen aus TV-Zeitschriften auf Spiegelfolie, 82.5 x 90 cm.

Alfred Wirz · Aargauer Kunsthaus bei Nacht, 1989, Öl auf beschichtetem Sperrholz, 55 x 82 cm. © Pro Litteris, Zürich

Alfred Wirz · Aargauer Kunsthaus bei Nacht, 1989, Öl auf beschichtetem Sperrholz, 55 x 82 cm. © Pro Litteris, Zürich

Hinweis

Hendrikje Kühne/Beat Klein und Notturno

Das Basler Künstlerduo Hendrikje Kühne (*1962) und Beat Klein (*1956) hat in den letzten zehn Jahren eine ganz spezifische künstlerische Sprache entwickelt. Sie zerschneiden Werbeprospekte, Postkarten, TV-Magazine und anderes mehr in Puzzleteile, kleben diese auf Karton, stecken sie ineinander oder verleimen sie zu Collagen. Was ein Trick sein könnte, erweist sich im Überblick als formal variations- und inhaltsreicher als bisher wahrgenommen. Bildeten bei den kartografischen Bodenarbeiten wie «Typical Swiss», 2002, viele einzelne Steckteile die Formen und Motive, so sind Werke wie «Hedge», 2008, oder «Ein Haufen Zeit», 2009, nun eigentliche Skulpturen, die viele hundert Teile miteinander verbinden. Auch das «barocke» Spiel mit Bildverwandlungen hat das Team sowohl durch Anordnung wie Verwendung von Spiegel- oder Laminatfolie auf den Puzzle-Rückseiten erweitert. Ausgebaut wurde auch das Prinzip der Collage. Ausgestellt ist insbesondere eine Reihe von «Paintings» - Landschaften im Stil des 17. bis 19. Jahrhunderts aus Fragmenten von Kunstpostkarten. Dabei können die Teile kaum auf ihre Ursprünge zurückgeführt werden und sind somit nur als Abbilder von «Malerei» im Dienst von Kühne/Klein erkennbar. Die formale, methodische Ebene ist ein wichtiger Teil der Kunst von Kühne/Klein. Aber die Qualität ergibt sich in der Kombination mit der Thematik, die vielfach in kritisch-ironischem Diskurs zum Verhältnis von Werbung, Konsum und Realität steht - vom Warenmarkt über den Tourismus bis zur Filmindustrie. In «Hedge» mit seinen tausend farbigen Vögeln und der Tonbildschau «Artifex semper beatus est» macht das Duo nun auch die digitale Omnipräsenz lexikalischen Wissens zum Thema.
Parallel zu Kühne/Klein präsentiert das Museum «Notturno» - Bilder der Nacht -, eine um Leih­gaben erweiterte Sammlungsausstellung, die eine ganz andere, aber nicht minder überraschende Art von Puzzle zeigt. Stilistische Kriterien ignorierend findet da so scheinbar Disparates wie Werke von Charles Wyrsch und Sabine Hagmann, von Cécile Wick und Kurt Hediger, von Otto Frölicher, Christian Rothacher, Viktor Surbek und vielen anderen Künstlern des 19. bis 21. Jahrhunderts zusammen.

Bis 
21.11.2009

Katalog Christoph Merian Verlag.

Werbung