‹Les dérives de l'imaginaire›

Guy Debord · Dépassement de l'art und Réalisation de la Philosophie, 1963. Foto: Weisswald

Guy Debord · Dépassement de l'art und Réalisation de la Philosophie, 1963. Foto: Weisswald

Hinweis

‹Les dérives de l'imaginaire›

Die Situationisten, einst Bürgerschreck, sind im Spasszirkus der Kunst ange­kommen. Das könnte man angesichts der reichhaltigen «neuen Saison» im Palais de Tokyo glauben. Tatsächlich wird nicht der Situationismus aufgenommen, sondern das «dépassement de l'art», das Debord 1963 als «réalisation de la philosophie» erträumte, infrage gestellt. Kurator Julien Fonsacq prüft Potenzial und Grenzen «künstlerischer Positionen» und findet manchmal Sinnliches im Verkopften. Pierre Vadi legt ein Objekt aus Kunstharz in den Raum, dessen Oberfläche von einer milchigen Flüssigkeit bedeckt zu sein scheint. Sein Titel, ‹Une histoire ultra-condensée de l'ère postindustrielle›, gibt es als - vorsichtig kondensierten - Kommentar der Gegenwart aus. Ein intensiveres Erlebnis liefert Ryan Ganders Installation ‹Ampersand› (englisch für das kaufmännische &). Vor dem im Fernsehsessel platzierten Publikum ziehen rund 60 Objekte aus Ganders Haushalt vorüber, auf einem Laufband in dem in die Wand geschnittenen Fenster - Sinnbild für die kulturindustrielle Maschinerie, die kontinuierlich Ding zum Bild, Objekt zum Fetisch transformiert. Was der malerische Einsatz des Körpers kann, zeigt Jonathan Binet im Treppenhaus. Mit kleinen Gesten belebt er Geschichte, Energie und Imagination des Ortes. Und man erfährt: Nicht ein desorientiertes Derivat, sondern durchdacht-intuitive Handlung stellt die Realität vom Kopf auf die Füsse.

Bis 
06.01.2013
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Imaginez l'imaginaire: Pierre Vadi, William Hogarth u.a. 28.09.201207.01.2013 Ausstellung Paris
Frankreich
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