Sebastião Salgado

Sebastião Salgado · Südkaper-Wale, Halbinsel Valdés, Argentinien, 2004

Sebastião Salgado · Südkaper-Wale, Halbinsel Valdés, Argentinien, 2004

Sebastião Salgado · Zo’é-Frauen von Towari Ypy, Pará, Brasilien, 2009

Sebastião Salgado · Zo’é-Frauen von Towari Ypy, Pará, Brasilien, 2009

Hinweis

Sebastião Salgado

Das Musée de l'Elysée empfängt zur Saisoneröffnung den brasilianischen Meister der schwarzweissen Fotoreportage Sebastão Salgado (*1944). Wie es der Titel ‹Genesis› eher unglücklich evoziert, führt sie uns zur Schöpfung der Erde, nicht jedoch an deren Ursprünge, sondern zu den 47% unseres Planeten, in denen sich Pflanzen und Tiere noch in einer üppigen Diversität und Vitalität entwickeln - da, wo sich der Mensch also den im synonymen Buch der Bibel an Adam und Eva gerichtete Befehl «Macht Euch die Erde untertan» gerade noch ignoriert. Zwischen fast skulptural wirkenden Landschaftsformationen sowie Pflanzen, Tieren und uralte Traditionen fortführenden Männern, Frauen und Kindern zeigen die Aufnahmen denn auch immer wieder ornamentartige Verschränkungen dieser verschiedenen Aspekte mineralischer und organischer Realität.
Zwei gegenläufige Erfahrungen Salgados in den Neunzigerjahren waren Auslöser des Projekts, das ihn von seiner Wahlheimat Paris aus auf 32 strapaziöse, zweimonatige Reisen führte. So nahm ihm die Arbeit am vorgängigen Zyklus ‹Exodus› über die bislang ungekannten Migrationsbewegungen unserer Zeit zeitweise jede Hoffnung für die Zukunft unserer Gattung. Obwohl er dabei in erster Linie den Mut und die Würde, der davon betroffenen Populationen zu dokumentieren suchte, wurde er doch allmählich von der Gewalt und dem Elend auf Schritt und Tritt ausgehöhlt. Gleichzeitig erfüllte ihn die Wiederaufforstung, die ihm auf dem ermatteten Landgut seiner Vorfahren in Brasilien gelang, mit Glück. Der neu gesetzte Wald füllte sich mit Insekten, Fröschen und Schlangen, und zuletzt kamen sogar die Jaguare zurück.
Mit der von seiner Frau Lélia Wanick ­Salgado kuratierten und in mehrfacher Auflage produzierten Schau, aber auch den von ihr bei Taschen in zwei Formaten unter dem gleichen Titel herausgegebenen Publikationen will das Ehepaar eine Bewegung ins Leben rufen, die vom Bewusstsein getragen ist, dass es «keine andere Maschine gibt als die Natur». Die Fotos alleine könnten indes in der überschäumenden Virtuosität, mit der sie die Kraft des Lebens zeigen, dazu verleiten, sich nicht mehr als daran zu betrinken. Nur zusammen mit den sprachlichen Äusserungen des Fotografen und seiner Frau und weiteren Stimmen von Vermittler/innen werden sie deshalb zu dem heute nötigen Aufschrei. Dieser ist umso zwingender, als Forschung und Industrie ja inzwischen eher dazu tendieren, den ökologischen Kollaps nicht zu verhindern, sondern mit abermals angeheizter Invention und Produktion zu kompensieren - was natürlich kaum aufgehen kann.

Bis 
04.01.2014
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Sebastião Salgado 25.09.201305.01.2014 Ausstellung Paris
Frankreich
FR

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