Alan Bogana - Holografie zwischen Wissenschaft und Kunst

Alan Bogana · The Riddle of the Pudelsphinx, 2015, Analoges Hologramm, 30x40 cm, Installation Kunsthaus Langenthal. Foto: Martina Flury Witschi

Alan Bogana · The Riddle of the Pudelsphinx, 2015, Analoges Hologramm, 30x40 cm, Installation Kunsthaus Langenthal. Foto: Martina Flury Witschi

Alan Bogana · The Indecisium Belt, 2015, Video, 1080p, 4'10", Loop, Minerals Courtesy Musée de ­Minéralogie Mines ParisTech. Foto: Martina Flury Witschi

Alan Bogana · The Indecisium Belt, 2015, Video, 1080p, 4'10", Loop, Minerals Courtesy Musée de ­Minéralogie Mines ParisTech. Foto: Martina Flury Witschi

Besprechung

Wenn Künstler wissenschaftliche Herangehensweisen adaptieren, mag das zuweilen abstrus erscheinen. Doch hinter den Versuchsanordnungen von Alan Bogana steckt mehr als ein experimentelles Spiel. Holografie und digitale Manipulation dienen der Erforschung von Gesetzmässigkeiten der Wahrnehmung.

Alan Bogana - Holografie zwischen Wissenschaft und Kunst

Alan Bogana (*1979, Faido) ergründet Licht und Materie im Kontext der Kunst und stützt sich dabei auf naturwissenschaftliche Theorien. Hologramme faszinieren aufgrund der optischen Eigenheit, aus einer zweidimensionalen Fläche dreidimensionale Bildräume hervortreten zu lassen. Solchen Bildern zwischen Sein und Schein, deren vermeintliche Plastizität sich beim näheren Betrachten als rein virtuell erweist, widmet sich der in Genf lebende Tessiner Künstler. Er bedient sich dazu unterschiedlicher Verfahren. Einerseits erlauben Laserscans, die Struktur und das Funkeln von Mineralien in hoher Präzision wiederzugeben. Andererseits zeichnet sich bei digital erzeugten Hologrammen deutlich eine Rasterstruktur ab. Der Wiedergabe real existierender Objekte stehen somit die Möglichkeiten von künstlich geschaffenen Realitäten in 3D-Programmen gegenüber, die dennoch physikalische Gesetze befolgen.
Durch die gross angelegten, installativen Aufbauten vereinigen sich die Ausstellungsräume zu einem eigenen Universum - anzusiedeln irgendwo zwischen Versuchslabor und Wunderkammer. Zunächst tappt man etwas orientierungslos durch die vollständig abgedunkelten Säle. Doch immer wieder gibt es an einer Wand oder in einer Ecke etwas zu entdecken. Lichtstrahlen von Lasern oder Scheinwerfern bewegen sich in verschiedene Richtungen, lassen Holografien sichtbar werden und wieder verschwinden und übernehmen damit subtil die Besucherführung.
Physikalische Eigenschaften des Lichts können mal wie in einem Planetarium, mal als skulptural in den realen Raum transferierte Computersimulation erfahren werden. Ein übergreifendes Element bilden Bruchstücke von Hologrammen, die auf mehrere Räume verteilt sind. Dabei macht sich Bogana zu Nutze, dass auf einer auseinandergebrochenen Platte das Abgebildete auf jedem einzelnen Fragment weiterhin vollständig zu erkennen ist - ein Fakt, der den wenigsten bekannt sein dürfte. Getrieben von Offenheit und Neugier bewegt sich der Künstler an der Schwelle von Wissenschaft und Kunst. Dennoch beansprucht er mit seinen Visualisierungen von Vorstellbarem stets die Freiheiten seines Metiers. Die Beschäftigung mit Visualisierungsverfahren, die den Naturwissenschaften entstammen, zielt auf eine Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und damit einem zentralen Phänomen in der Kunst.
(Kunstbulletin 9/2015, S. 70-71)

Bis 
14.11.2015
Künstler/innen
Alan Bogana
Autor/innen
Sonja Gasser

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