Chalet5 — Zuhause ist auswärts und auswärts ist zuhause

Chalet5 · Das schrumpfende Königreich, 2018, Readymade, 345 x 720 cm

Chalet5 · Das schrumpfende Königreich, 2018, Readymade, 345 x 720 cm

Chalet5 · Gatekeeper Archiv, 2009/2018, Installation, 235 x 520 x 60 cm

Chalet5 · Gatekeeper Archiv, 2009/2018, Installation, 235 x 520 x 60 cm

Besprechung

Karin Wälchli und Guido Reichlin arbeiten seit 1995 unter dem Namen Chalet5 zusammen. In ihrem vielseitigen Werk spiegelt sich ihre Faszination für Muster und Ornamente ebenso wie die kritische Hinterfragung von Begriffen wie Tradition und Moderne, Heimat und Privatheit.

Chalet5 — Zuhause ist auswärts und auswärts ist zuhause

Altdorf — Was macht ein Sofa auf der Strasse? Und was ein Zaunelement aus dem Baumarkt in einem Kunsthaus? Chalet5 untersuchen in ihrer aktuellen Ausstellung das Verhältnis von privaten zu öffentlichen Räumen und denken dabei das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Orient und Okzident, Heimat und Fremde, Moderne und Tradition immer mit. Unter dem Titel ‹Zuhause ist auswärts und auswärts ist zuhause› zeigen Karin Wälchli (*1960) und Guido Reichlin (*1959) Fotografien, Gemälde, Objets trouvés und Nachbildungen architektonischer Details, die verschiedene Aspekte von Vertrautem und Exotischem ansprechen. Die als Work in Progress angelegte Fotoserie ‹Karin steht dazu› beispielsweise zeigt Karin Wälchli, meist in den Strassen von Kairo, mal neben Hauseingängen und Portalen, die mit Ornamenten herausgeputzt oder stark vernachlässigt wirken, mal neben Möbelstücken, die mitten auf dem Gehweg stehen, ohne dass man sich ihr Dort-Sein so richtig erklären könnte. Sind die Objekte zum Verkauf ausgestellt? Oder werden die Sessel von den Leuten aus der Nachbarschaft genutzt, um sich abends ein wenig zu entspannen? Wälchli und Reichlin sind 2006 über ein Atelier-Stipendium der Pro Helvetia nach Kairo gekommen und mehrfach dorthin zurückgekehrt. In der ägyptischen Metropole finden sie reiche Anregungen zur Auseinandersetzung sowohl mit der Grenze zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen als auch mit dem Ornament als Gegenentwurf zum narrativen Bild westlicher Prägung. In den ‹Gatekeepern› fliessen beide Ansätze zusammen. Vor vielen Geschäftseingängen entdeckten sie aufwendig gestaltete Zierelemente, in denen sich orientalische Ornamentik mit westlich geprägter Disco-Ästhetik verbindet. Chalet5 haben einige nachgebaut, aus Holz, Karton und schillernden Klebefolien. In Altdorf zeigen sie diese im ‹Gatekeeper Archiv›, 2009/2018 – einem Depotregal, wo sie einzelne Maquetten lagern, als handle es sich um Forschungsgegenstände. – Im Aussenraum findet sich eine Art  autorenloses Gegenstück zu den hyperdekorierten Portalen: Dort steht eine Wand mit Gartenzaun-Elementen – ein Ready Made direkt aus dem Baumarkt –, die eine andere Geschichte vom Öffentlichen und Privaten erzählt. Die blickdichten Zaunelemente laden im Gegensatz zu den ‹Gatekeepern› nicht ein, hereinzukommen. Ihr Ziel ist es, Privates abzuschirmen, Fremdes abzuweisen.

Bis 
25.11.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Francis Baudevin, Chalet5 30.10.201018.12.2010 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Guido Reichlin
Karin Wälchli

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