Pipilotti Rist — Show a Leg (Raus aus den Federn)

Pipilotti Rist · Show a Leg (Raus aus den Federn), 2001, Videostill

Pipilotti Rist · Show a Leg (Raus aus den Federn), 2001, Videostill

Pipilotti Rist · Show a Leg (Raus aus den Federn), 2001, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst, Vernissage 24.8.2018, Courtesy Hauser & Wirth und Luhring Augustine. Foto: Nicolas Duc

Pipilotti Rist · Show a Leg (Raus aus den Federn), 2001, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst, Vernissage 24.8.2018, Courtesy Hauser & Wirth und Luhring Augustine. Foto: Nicolas Duc

Besprechung

Pipilotti Rists Installation ‹Show a Leg (Raus aus den Federn)› entstand 2001 für Tramway Glasgow, ein zum Kunstraum umgewandeltes ehemaliges Tramdepot. Das Migros Museum für Gegenwartskunst hat die Installation für seine Sammlung erworben und zeigt sie im Rahmen der Ausstellung ‹Collection on Display›.

Pipilotti Rist — Show a Leg (Raus aus den Federn)

Zürich — ‹Show a leg›, so sagt man, um jemanden aus dem Bett zu holen. Ursprünglich war dies ein Weckbefehl der britischen Marine, als diese ihren Matrosen noch erlaubte, Frauen mit an Bord zu nehmen. Während sich die Matrosen am Morgen zum Einsatz zu melden hatten, durften die Frauen in den Quartieren weiterschlafen. Wann immer ein Offizier bei der morgendlichen Kontrolle befahl, ein Bein zu zeigen, hatte die Person unter der Decke sich als Mann oder Frau zu erkennen zu geben. In Pipilotti Rists (*1962) Installation ‹Show a Leg (Raus aus den Federn)› wird der Ausweis des Geschlechts ebenso provokativ wie spielerisch ins Bild gesetzt. Es ist die Künstlerin selbst, die ihren Kunstfiguren Gestalt verleiht. Sie rollt nackt über den Boden, erhebt sich aus Betten, im Schlafzimmer und in der Arztpraxis, um regelrecht aufzuerstehen. In bunten Petticoats und Pumps streift ihr Alter Ego durch die Strassen, mit den Freundinnen in grossen Schritten über den Asphalt. Hinter den Fenstern der Stadt drückt sie ihr Gesicht platt wie der Löwenzahn seine gelben Blätter am Glas vor der Kamera. Sie gibt sich als wunderliches und wildwüchsiges Wesen, das gegen die Begrenzungen der Bilder von innen aufbegehrt. Die raumgreifende Installation verbindet verschiedene Projektionen, eine fixe sowie drei bewegliche, die über Boden und Wände gleiten. Lichtspots in Rot, Pink und Türkis umkreisen die Projektionen, zeichnen ihre Umlaufbahnen im Dunkeln. Dazwischen Sternenhimmel und an Planetenringe erinnernde Flammen vom Gasherd, die den Werbeprospekt eines Fernsehers verbrennen. Flüchtig vermischen sich die Projektionen und diffundieren wieder auseinander. Sie verfangen sich in den zusammengenähten Spitzengardinen, die im Raum als diaphane Leinwände aufgespannt sind und vielfache Echos streuen. Überall stehen Kinderstühle, die uns einladen, eine Perspektive einzunehmen, die derjenigen der Alice im Wunderland gleicht. Dazu erklingt ein Soundtrack, der alles in schläfrige Ferne versetzt. Wir sind in einem Raum irgendwo zwischen den Galaxien der Screensaver und dem Kaninchenbau der Träume. Vielleicht sind wir auch in der Gebärmutter als dem Hort der Hysterie. Zu ihr neigten, nach Freud, die Frauen, die sich bei der Handarbeit mit der Nadel im Privattheater ihrer Tagträume verlieren. Bei Pipilotti Rist, im textilen,multimedialen Gewebe ihrer Installation, dürfen sie ‹ein Bein zeigen› und weiterträumen. 

Bis 
11.11.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Pipilotti Rist 25.08.201811.11.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Fabienne Liptay
Künstler/innen
Pipilotti Rist

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