Refaire le monde — Refais toi-même

A. C. Kupper · Fata Morgana, 2018, Silver Gelatin Print on Baryt Paper, 95 x 68 cm

A. C. Kupper · Fata Morgana, 2018, Silver Gelatin Print on Baryt Paper, 95 x 68 cm

La Fafa · Treffen im Helmhaus Zürich, 2018. Foto: Peter Schneider

La Fafa · Treffen im Helmhaus Zürich, 2018. Foto: Peter Schneider

Besprechung

Seit Anfang September ist der letzte Teil der Trilogie ‹refaire le monde› im Helmhaus Zürich zu sehen. Die Ausstellung ‹Proposition› thematisiert die Herausforderungen unserer Zeit und fordert das Publikum heraus, nicht nur Zuschauende, sondern auch Teilnehmende zu sein.

Refaire le monde — Refais toi-même

Zürich — Dich, liebe Leserin, dich hätte ich gerne dabei. Doch diesen anderen Leser, den lieber nicht. Die Art, wie er das Papier hält, ist mir einfach nicht geheuer. Aber ist ja nicht weiter schlimm, er kann ja etwas anderes lesen. Ob bewusst oder unbewusst: Tagtäglich verfallen wir in die Ästhetik von Grenzen. Aufgrund von Ängsten oder Vorurteilen entscheiden wir, wen wir ein- und wen wir ausschliessen. Damit befasst sich die dreiteilige Ausstellung ‹refaire le monde›. Der erste Teil ‹Position› (9.3.–6.5.) thematisierte die Herausforderungen unserer Zeit, wie Migration oder Rassismus, und führte einem nicht nur die Blindheit der anderen, sondern auch die eigene vor Augen. Der Künstler Raphael Perret (*1977, Zürich) etwa baute in der obersten Etage des Helmhauses eine der 62 Viererhütten nach, die 2015 im Übergangszentrum Halle 9 in Zürich-Oerlikon eingerichtet wurden. Perret machte Missstände wie mangelnde Privatsphäre und Ruhe an einem Ort sichtbar, wo wir vielleicht gehofft hatten, von ihnen verschont zu bleiben. So stellt sich denn auch die Frage: Was gehört in den musealen Raum? Ist dieser tatsächlich so unantastbar? Oder: Wo beginnt und wo hört Öffentlichkeit auf? Daran knüpfte der zweite Teil -‹Ex-Position› (18.5.–17.6.) an. In seiner Einzelausstellung legte Gianni Motti (*1958, Sondrio) das Museum mit Pflastersteinen aus, brachte so das Aussen nach innen; er rollte Stacheldraht aus, machte unüberwindbare Grenzen sichtbar. An diese schonungslose Ästhetik knüpfte das Plakat ‹Fata Morgana› von A. C. Kupper (*1962, Basel) an, Sujet der dritten und letzte Ausstellung. Seine Rasierklinge steht stellvertretend für Verschönerung und Verwüstung, aber auch für Veränderung. Während der erste Teil eine Bestandsaufnahme war, versucht der dritte und letzte Teil ‹Proposition› Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Gemeinsam mit Geflüchteten der Halle 9 wurde der Verein La Fafa gegründet, dessen Treffen nun regelmässig im Helmhaus stattfinden. Dort, wo einst der Nachbau von Perret stand, befinden sich nun Arbeitstische und gemütliche Sitzplätze. Der Ort, in dem vorher Missstände aufgezeigt wurden, bietet nun Raum für neue Begegnungen. «Wie sehr möchten wir uns nun beteiligen?», scheint uns die Arbeit von Tanja Roscic (*1980, Zürich) zu fragen, bevor wir aus dem letzten Raum treten. Ein überdimensionaler Puppenkopf, ohne Mund, mit leerem Blick, der uns nicht anschaut und doch durchdringt. Vielleicht ist es ja nicht nur ‹refaire le monde›, sondern auch ‹refais toi-même›.

Bis 
11.11.2018
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Helmhaus Schweiz Zürich
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refaire le monde * PROPOSITION 21.09.201811.11.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH

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