Risaku Suzuki — Water Mirror

Risaku Suzuki · Water Mirror 17, WM-758 2017, Chromogenic Print, 120 x 155 cm, Edition of 5

Risaku Suzuki · Water Mirror 17, WM-758 2017, Chromogenic Print, 120 x 155 cm, Edition of 5

Besprechung

Möchte man Risaku Suzukis Fotografien verstehen, kann man auch gleich fragen: Was ist Fotografie – oder eher, was ist sie nicht? Ein hübsches Foto von einem Hund oder Blumenstrauss ist leider meist keine kreative fotografische Umsetzung eines Gedankens, konstatiert der japanische Fotograf Risaku Suzuki.

Risaku Suzuki — Water Mirror

Zürich — Erst durch die Visualisierung eines gedanklichen Konzepts mit dem Mittel der Fotografie kann man nach Suzuki (*1963) davon ausgehen, dass die Intention des Fotografierenden eine leidenschaftliche Suche nach dem Bild als Entsprechung eines Gedankens bedeutet. Beim Betrachten der grossformatigen und mehrheitlich in Blau und Grün gehaltenen Bilder Suzukis ist es, als ob die Zeit innehalten würde. Man steht mitten im Wald, vor einem liegt eine Wasserstelle, rundum ist alles still. Weiter hinten wird das Gehölz undurchdringlich, nur kleine weiss-blaue Ausschnitte des Himmels blitzen dazwischen auf. Aber es ist nicht nötig, weiterzugehen, denn man ist da, wo man sein sollte, bei sich selbst. Umgeben von alten Bekannten, den Bäumen, oben der Himmel, unten die Erde. In dieser animistischen Sichtweise kann auch unter der sich leicht kräuselnden Wasseroberfläche ein Geist verborgen sein, man sieht ihn nicht, man sieht die Reflexion des Himmels und der Dinge, die sich mit ihrem Schatten im Wasser spiegeln. Jedes fein geränderte Blatt und jedes Ästchen hat seine eigene Form und erscheint mit den Händen greifbar, so, wie auch die Dinge in Paul Cézannes Malerei vom Licht geformte Körper sind. Sogar die Landschaft wird zu einem grossen Körper, der atmet und uns in sich aufnimmt. Und gleichzeitig stellt sich Irritation ein: Sehe ich, was ich sehe? Oder ist das, was ich betrachte, längst nicht mehr das, was es zu sein schien? Hier beginnt Risakus Gedankenarbeit, er fragt in seinen Bildern, wie wir sehen. Die Augen sehen und die Netzhaut dahinter informiert das Gehirn, worum es sich handelt. Zu schnell, zu oberflächlich und mit gelerntem Vorwissen. Darum führt uns Suzuki mitten in den Wald, damit wir genau hinsehen, um zu sehen, was wir hier sehen. Die Täuschung, dass die Wolken genau vor unseren Füssen liegen, ist die Folge der Spiegelung. Eine dunkle Fläche ohne Zeichnung ist der Schatten eines Baumes, der eigentlich hinter uns steht. Die Spiegelung wird wiederum gespiegelt im Spiegel von Risakus Kameraapparat, er bestimmt dabei den Ausschnitt des Bildes, den Schärfenbereich und die Menge des Lichts. Vor dem Kameraobjektiv ist alles gleichwertig, die Welt wird zum gespiegelten Objekt. Der Akt, Wasser zu betrachten, bedeutet auf Suzukis Bildern, die Täuschung als Wahrheit des Sehens zu erkennen. Ein Geheimnis bleibt, es ist das Geheimnis der unsichtbaren und verborgenen Räume, die – wie es bereits Cézanne sagte – nur mit dem Herzen gesehen werden.

Bis 
19.01.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Risaku Suzuki 28.09.201823.02.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Johanna Encrantz
Künstler/innen
Risaku Suzuki

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