Simon Ledergerber

Simon Ledergerber · Vom Wesen der Dinge, 2018, Fichte 35 m, Courtesy Kunsthalle Arbon

Simon Ledergerber · Vom Wesen der Dinge, 2018, Fichte 35 m, Courtesy Kunsthalle Arbon

Simon Ledergerber · Raumintervention, Die Kluft zwischen menschlicher Existenz und überdauerndem Rest, 2016, Kunstraum R57

Simon Ledergerber · Raumintervention, Die Kluft zwischen menschlicher Existenz und überdauerndem Rest, 2016, Kunstraum R57

Hinweis

Simon Ledergerber

Luzern — Der gelernte Schreiner und Bildhauer Simon Ledergerber (*1977, Brunnen), der letztes Jahr mit dem Förderpreis des Kantons Uri und mit dem Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern ausgezeichnet wurde, darf in diesem Herbst das Kabinett im Kunstmuseum Luzern bespielen. Sein Atelier in einer alten Fabrikhalle in Biel mutet wie eine kuriose Wunderkammer und ein Experimentierlabor zugleich an. Der Bildhauer als Künstler also, dem Rodin schon 1913 grundsätzlich «magische Kräfte» zugesprochen hat, weil er nämlich «greifbar macht, was unsichtbar ist»?
Berge von ausgehöhlten Knochen, entlaubte Äste, tote Tiere mit Restgefieder teils in Gips gegossen, ein aus dem See gefischtes, mit Muscheln übersätes Fahrrad zieren das Atelier und warten auf ihre Transformation. 2018 zeigte Ledergerber in einer Einzelausstellung in der Kunsthalle Arbon nicht nur einen tonnenschweren, mit Wasser gefüllten patinierten Stahlsockel, sondern auch die filigrane Blätterserie, in der Steine, Metallstangen, Hobelspäne mit Tusche, Gerbstoffen und Ölfarbe unter Einwirkung von Schwerkraft eigendynamisch Spuren malen. Poetische Abdrücke im pastellfarbenen, sandigen Bodenwerk können auch zufällig von Insekten herrühren, wie in der Raumintervention ‹Die Kluft zwischen menschlicher Existenz und überdauerndem Rest› im Kunstraum R57 in Zürich 2016 vorgeführt. Das Zusammenspiel von Zersetzungsprozessen und bewusster Formwahl zeichnet das aktuelle Kunstschaffen von Simon Ledergerber aus. Auch die Korrelation von Material und Raum ist eminent, das Habitat beeinflusse sein oft auch intuitives Schaffen, meint Ledergerber. In der Kunsthalle Arbon durchdrang nämlich ein hölzerner Wurm die gesamte Raumfläche. Der Baum, aus einem Bachtobel der Innenschweiz stammend, wurde scheinbar so bearbeitet, dass er sich als konstruktive Skulptur in die Raumstrukturen einfügt und doch in seiner Längsachse von der Wurzel bis zum Wipfel als Wesen nicht verletzt wird – wie auch der Titel ‹Vom Wesen der Dinge› betont. Ein skulpturales Kleinod aus Carrara-Marmor stemmte Ledergerber 2016 präzise zwischen eine Baustütze und die massive Decke der Festung Sasso San Gotthardo, was seine minutiöse Intervention in bestehende Raumgegebenheiten im Kräftespiel bezeugt. Für die Kabinettausstellung, die den Titel ‹Die Schule von Athen› trägt, hat sich Simon Ledergerber einen performativen Akt vorgestellt. Vielleicht werden die musealen Fresken und die Museumsgeschichte in Staub verwandelt und nehmen überraschende Konfigurationen an. Ohne Frage wird er aber seine künstlerischen Strategien meisterhaft zusammenführen. Der Raum soll zum Philosophieren und für Empfindungen freigegeben werden. Das Publikum darf gespannt sein.

Bis 
06.01.2018

Kunstmuseum Luzern, 17.11.–6.1.

Ausstellungen/Newstickerabsteigend sortieren Datum Typ Ort Land
Simon Ledergerber. Die Schule von Athen 17.11.201806.01.2019 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Simon Ledergerber
Autor/innen
Ursula Meier

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