Sympathie — Sympathischer Teamwechsel

Sophie Yerly · Buy every image, 2018, Ausstellungsansicht Centre d’art Neuchâtel. Foto: Sébastien Verdon

Sophie Yerly · Buy every image, 2018, Ausstellungsansicht Centre d’art Neuchâtel. Foto: Sébastien Verdon

Belle Poudre (Dirk Bell und Reto Pulfer) · Eintrocknung, 2016–2018, Ausstellungsansicht Centre d’art Neuchâtel. Foto: Sébastien Verdon

Belle Poudre (Dirk Bell und Reto Pulfer) · Eintrocknung, 2016–2018, Ausstellungsansicht Centre d’art Neuchâtel. Foto: Sébastien Verdon

Besprechung

Arthur de Pury, Marie Villemin, Martin Widmer und Marie Léa Zwahlen haben das CAN diesen Sommer an ein jüngeres kuratorisches Team abgegeben, das seinen Einzug in die ehemalige Heizkörperfabrik mit der Erzeugung einer dynamischen Ausstellung feiert, bei der die Vernissage mit der Finissage zusammenfällt.

Sympathie — Sympathischer Teamwechsel

Neuenburg — Das Centre d’art Neuchâtel/CAN ist ein Phänomen! Im Gegensatz zu vielen anderen Kunsthallen, in denen heute aus einer nationalen oder internationalen Liga rekrutierte Persönlichkeiten an ihrer Karriere schmieden, ist das 1995 von einer Gruppe von Künstlern, Kritikern und Kuratoren um Jean-Pierre Huguet und Marc-Olivier Wahler initiierte und bald zu einem über die Landesgrenzen hinaus bewunderten Laboratorium CAN stets fest in der lokalen Szene verankert. So hatte die -Institution nach einem heftigen Konflikt zwischen den arrogant gewordenen Vertretern der Gründer- und einer kritischen Zweitgeneration wiederum Stabilität gefunden. Betrieben wird es jetzt erneut in einer betont kollektiven und horizontalen Organisationsform, die eine Debatte nicht als Zeitverlust, sondern als zentralen menschlichen und geistigen Wert erachtet. Durch das vollzählige Abtreten des innerhalb der letzten zehn Jahren mit einer Leidenschaft ohnegleichen engagierten Teams bis auf die erst kürzlich dazugestossene Sylvie Linder sowie das Urgestein in Regie und Technik Julian Thompson erlebt dieser Ort nun so etwas wie eine zweite Edition. Wie das neue Team mit Martin Jakob, Nicolas Raufaste, Magali Pexa und Sebastian Verdon das CAN momentan in den Griff nimmt, ist erstaunlich. So soll die erste Ausstellung erst mit einem Verweilen bei allen dafür nötigen Stationen und Elementen in den Räumen entwickelt und am letzten Tag eingeweiht werden. Dieses Konzept wurde mit einer so spielerischen Leichtigkeit angegangen, wie dies sonst nur geübte Kurator/innen erzeugen. Alles wurde präzise und elegant aufgegleist. Minimalistische und monochrome Tags der ehemaligen Graffiti-Künstler Blaise Parmentier und Guillaume Pellay leiten uns durch die Gänge im Entrée und im Ausstellungsbereich. Auf der langen Treppe und in der Empfangshalle dazwischen haben sich Sophie Yerly und Anaïs Wenger mit evolutiven Arbeiten eingerichtet: mit der roten Schrift ‹Buy every image› sowie grünen Trainern als Arbeitsuniform für das ganze Team. In den Sälen kämpft sich dann Denis Savary durch ein Lager, verlustigt sich das Duo Belle Poudre in einem Salon und arbeitet Frédéric Gabioud in einem Atelier so sorgfältig an Keilrahmen, ihrer Bespannung und Bemalung, dass man von dieser Handarbeit später, vor dem fertigen Gemälde, nichts mehr ahnen wird. Mit jeder der weiteren Performances will man dem Ziel näher kommen, das Publikum am Schluss mit einer köstlichen, klassischen Ausstellung zu beglücken.

Bis 
14.12.2018

→ ‹Sympathie›, CAN, bis 14.12.; Performances: 3.11. + 1.12., Vernissage/Finissage 14.12. ↗ www.can.ch

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