Tobias Nussbaumer — Vom Ordnen verlorener Räume

Tobias Nussbaumer · Die Ordnung des verlorenen Raums, 2018, Ausstellungsansicht Museum Franz Gertsch. Foto: Bernhard Strahm

Tobias Nussbaumer · Die Ordnung des verlorenen Raums, 2018, Ausstellungsansicht Museum Franz Gertsch. Foto: Bernhard Strahm

Besprechung

Übergrosse Zeichnungen menschenleerer, verwinkelter Bauten verbindet Tobias Nussbaumer mit plastischen Elementen, wie Betonblöcken und einem hochglanzpolierten Drehkarussell, zu rätselhaften Rauminstallationen. Dabei eröffnet er im Museum Franz Gertsch ein Spielfeld für vielfältige Assoziationen.

Tobias Nussbaumer — Vom Ordnen verlorener Räume

Burgdorf — Ein dunkler Durchgang mit Glaskasten, in welchem Flammen einen Katzenbaum zu entzünden drohen. Mit dieser starken Anordnung sensibilisiert Tobias Nussbaumer (*1987, Basel) die Besuchenden für die Spannungsmomente im Ausstellungssaal. Dort reichen seine vier Zeichnungen von rund vier Metern Höhe fast bis zur Decke. Sie hängen gleichsam leicht an einer gestapelten Struktur aus Betonelementen, die archaisch den gezeichneten komplexen Raumstrukturen entgegensteht. Ambivalenzen prägen den Saal: ein Drehkarussell aus Edelstahl zum Spiegelobjekt erstarrt oder rote Fallschutzmatten aus Gummi im Wechsel mit harten Kiesflächen am Boden. Die eigenartige Stimmung dockt an Nussbaumers Zeichnungen an, die oft seltsam funktionslose Zwischenräume oder Durchgangsorte zeigen. Die Nutzer von deren Möblierung, häufig etwa Fitness- oder Spielgeräte sowie Katzenbäume, bleiben immer absent. Der Künstler überlässt die gedankliche Belebung und Deutung dem «aktiven Betrachter». Der Künstler lotet die Potenziale seiner Szenerien genau aus. Quasi ‹Die Ordnung des verlorenen Raums›, den er dezidiert offen anlegt. Für Burgdorf verschmolz er modulare Elemente einer Fabrikhalle, den Keller einer Zoohandlung sowie ein Gewächshaus virtuell zu einem Raumgefüge. Eine vorgängige 3D-Modellierung liess die Simulation der Lichtverhältnisse und Spiegelungen zu. Für die ausgeführten Blätter wählte er dann Ausschnitte, die durch Wechsel der Grössenverhältnisse oder Kipp- und Spiegelungsmomente als neue Situationen erscheinen, deren Verwandtschaft sich nicht leicht erschliesst. Die Kombination von Tusche und schwarzen Farbstiften erlaubt ihm, Oberflächen auszuarbeiten, die in der Simulation rein schwarz ausfallen. Die Komposition der Blätter, wie auch die Rauminstallation, ist geprägt von den übergreifenden Themen des Künstlers, der in Luzern «Illustration Fiction» und in Basel Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat und ebenda mit einem MA abschloss. Nussbaumers Themen sind: Spiegelungen, Ähnlichkeiten, das Wiederauftreten bestimmter Elemente in anderer Form sowie «Bild im Bild»-Situationen. Nicht zuletzt ist in den Zeichnungen von links nach rechts eine Steigerung der Komplexität zu beobachten, die zu einer Rundbewegung führt und sie an das Karussell zurückbindet. Mit seiner überzeugenden ersten Einzelschau in einer Institution dieser Grösse entwirft Nussbaumer eine Raumanordnung mit viel Potenzial.

Bis 
30.12.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Tobias Nussbaumer. Die Ordnung des verlorenen Raumes 22.09.201830.12.2018 Ausstellung Burgdorf
Schweiz
CH
Autor/innen
Adrian Dürrwang
Künstler/innen
Tobias Nussbaumer

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