Vincent Kriste

Vincent Kriste · Fussmatte, 2018, Acryl auf Baumwolle, 65 x 82 x 13 cm

Vincent Kriste · Fussmatte, 2018, Acryl auf Baumwolle, 65 x 82 x 13 cm

Vincent Kriste · Hecke, 2016, Acryl und Lack auf Baumwolle, 120 x 360 cm

Vincent Kriste · Hecke, 2016, Acryl und Lack auf Baumwolle, 120 x 360 cm

Hinweis

Vincent Kriste

Zürich — Statt von malen spricht Vincent Kriste (*1979, Zürich) lieber von nachbilden. Vielfältig sucht er das Material der Malerei zur Ansicht zu bringen. Sein Erkunden bildnerischer Möglichkeiten ruft nach einer installativ vernetzten Präsentation. Bei seiner «Möblierung» der Ausstellungsräume in der Rüegg-Stiftung folgt er Spiegelungsstrategien. Zudem nutzt er das die Wahrnehmung in Bewegung haltende Potenzial von Wiederholungen und Verdoppelungen. Selten trifft man in jüngster Zeit auf einen Maler, der die Illusion in ihrer Perfektion derart auf die Spitze treibt und dabei gleichzeitig Demontage pur praktiziert. Sein Bild-Objekt ‹Fussmatte›, gefertigt aus Acryl auf Baumwolle, trägt den von wenigen Sternen umrankten Schriftzug «Welcome». Farbgebung und Buchstabenfolge lassen an den Schokoriegel Milky Way denken – doch gleich schmilzt die vertraute Verführung dahin: Stets drängt ein dem Paradox erwachsenes «Ja aber» an die Oberfläche. Kriste überrascht durch Tarnung, humorvoll unterlegt ist oftmals die sinnlich-intellektuelle Ambivalenz der ausgeheckten Pläne zur Visualisierung von Musterbildungen. Dinge sind versammelt, die aus einem häuslichen Bereich sowie dem allernächsten Wohnumfeld stammen könnten. Kriste lenkt die Blicke um die Ecke und auf eine über drei Meter messende Hecke, die sich entlang einer Wand zieht. Irritierend springt uns die aus der Distanz ungemein echt erscheinende Hecke an, kommt dazu, dass eine Hecke im Innenraum an sich schon den Sinn für das Reale ins Wanken bringt. Kristes Hecke scheint perfekt, ihre Vorlage ist ein Zusammenschnitt aus Varianten aus dem Internet. Mit dem All-over der als Farbreliefs ausgearbeiteten, additiv angeordneten Blatteinheiten verbindet sich eine symmetrische Bildanlage, beides wichtige Gestaltungsweisen der Minimal Art. Die Kunst wandert in den Kopf. Kriste schafft den Spagat, eine konzeptuelle Vorgehensweise mit betont inhaltlich besetzten Motiven zu verknüpfen. Ein Blumenstillleben zeigt die Illusion entlarvend schön. Kriste geht gleich einem analytischen Archäologen der Malerei malerisch auf den Grund. Unterschiedliche Farbaufträge, pastos, zart lasierend, wie aufgedruckt oder an eine Gobelinstickerei erinnernd, machen das Blumengebinde zum Bouquet malerischer Möglichkeiten. Der Bildträger formt gleichzeitig den Rahmen. Malerei/Malerei ist der Bildinhalt. Signifikant und Signifikat überlagern sich. Mit seinen gemachten Bildern eröffnet Kriste ein Potpourri der Bildwirklichkeiten.

Bis 
08.12.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Vincent Kriste 07.11.201801.12.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Sabine Arlitt
Künstler/innen
Vincent Kriste

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