Yuri Albert

Yuri Albert · Ich bin nicht Lichtenstein, 1990

Yuri Albert · Ich bin nicht Lichtenstein, 1990

Yuri Albert · Sie haben diese Arbeit gekauft. Ist das nun meine oder Ihre Arbeit?, 2018, Edition Kunstmuseum Liechtenstein

Yuri Albert · Sie haben diese Arbeit gekauft. Ist das nun meine oder Ihre Arbeit?, 2018, Edition Kunstmuseum Liechtenstein

Hinweis

Yuri Albert

Vaduz — Karikaturen zeitgenössischer Kunst sind beinahe so alt wie das Medium der Karikatur selbst. Seit über 150 Jahren betreibt die Karikatur Stil- und Geschmackskritik auf populäre Weise und weder Hodler noch Courbet, weder Moore noch Rothko wurden verschont. Aber wozu wurde staatlich nicht gebilligte Kunst in einem staatlich kontrollierten Publikationsorgan karikiert, das sich in millionenfacher Auflage an Menschen richtete, die fernab aller Museen lebten und dort ohnehin keine der karikierten Kunstwerke hätten sehen können? Diesen merkwürdigen Leerraum übersetzte Yuri Albert (*1959, Moskau) in den Siebziger- und Achtzigerjahren ebenso in Malerei, wie er generell die bildende Kunst jenseits des offiziell geförderten und geforderten sozialistischen Realismus thematisierte. Seine grossformatigen Gemälde nach Karikaturen ungegenständlicher Kunst und seine Auseinandersetzungen mit der Existenz als systemunabhängiger Künstler in der Sowjetunion sind jetzt in einer grossangelegten Einzelschau im Kunstmuseum Liechtenstein zu sehen. Albert gehörte zu den wenigen, die abseits des staatlich überwachten Kunstbetriebs arbeiteten. Heute gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der zweiten Generation des Moskauer Konzeptualismus, damals war er wie andere auch aus dem staatlichen Kulturbetrieb ausgeschlossen: Ausstellungen und künstlerischer oder kunstkritischer Austausch fanden nicht statt oder nur im kleinsten, vertrauten Kreis. Das Diskursbedürfnis bahnte sich dennoch seinen Weg. Yuri Albert stellte in seinen Textarbeiten Fragen nach dem Marktwert, der Autorschaft, der Konkurrenz, der Tradition. Er übersetzte die Fachsprachen besonderer Gesellschaftsgruppen in Bilder – die Stenografie, die Sprache der Seeleute, der Blinden oder der Gehörlosen – und kennzeichnete sie als «elitär-demokratische Kunst». Damit verwies er sowohl auf die Sonderstellung dieser semiotischen Systeme als auch auf das Bedürfnis nach ebenbürtiger und verständlicher Kommunikation. Alberts Reflexionen enden nicht mit dem Zusammenbruch des Systems. Das Kunstmuseum zeigt auch jüngere Arbeiten und bat den Künstler zudem, mit der museums-eigenen Sammlung zu arbeiten. Albert tut dies auf demokratisch-konzeptuelle Weise, indem er einen Raum mit sämtlichen Ausdrucken aus der Objektdatenbank des Museums tapeziert: Alles ist zu sehen und gleichzeitig nichts.

Bis 
20.01.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Yuri Albert 21.09.201827.01.2019 Ausstellung Vaduz
Liechtenstein
LI
Künstler/innen
Yuri Albert
Autor/innen
Kristin Schmidt

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