Flurina Badel / Jérémie Sarbach — Die Sonne als Angelpunkt

Badel/Sarbach · Little Sun Back Here, a post-periphery poem (Binn), 2019 © ProLitteris; Eingang von Binn, wo ein Stadel um 180 ° gedreht wird

Badel/Sarbach · Little Sun Back Here, a post-periphery poem (Binn), 2019 © ProLitteris; Eingang von Binn, wo ein Stadel um 180 ° gedreht wird

Badel/Sarbach · Little Sun Back Here, a post-periphery poem (Sion), 2019 © ProLitteris; Vorbereitung für die Installation mit im Solarium gebräunten Brettern

Badel/Sarbach · Little Sun Back Here, a post-periphery poem (Sion), 2019 © ProLitteris; Vorbereitung für die Installation mit im Solarium gebräunten Brettern

Besprechung

Der Manor Kunstpreis im Kanton Wallis geht 2019 an das Künstlerduo Flurina Badel / Jérémie Sarbach. Die Sonne spielt eine zentrale Rolle in der Ausstellung im Kunstmuseum Sion. Ein zweiter Teil ihrer künstlerischen Intervention wird das Publikum im Juni 2020 nach Binn ins Oberwallis führen.

Flurina Badel / Jérémie Sarbach — Die Sonne als Angelpunkt

Sion — Ohne die Sonne ist unser Planetensystem undenkbar. Sie prägt unser Zeitempfinden, ist Teil unseres Ökosystems, wirkt sich auf die Natur und unsere Körper aus. Auch wenn wir heute vermuten, dass weitere Sonnensysteme bestehen könnten, wagen wir es kaum, uns eine Welt ohne Sonne vorzustellen. Dauer und Temporalität, aber auch Verortung in Natur und Gesellschaft sind wichtige Themen für das Künstlerpaar Flurina Badel und Jérémie Sarbach. Immer wieder widmet es sich der Darstellung von natürlichen Elementen mit einfachen Geräten und performativen Handlungen. Die beiden untersuchen für ihre Ausstellung zum Manor Kunstpreis 2019 im Kunstmuseum Sion und in der Gemeinde Binn, wo Jérémie Sarbach aufgewachsen ist, die Grenzen zwischen Natur und Artefakt. Badel/Sarbach befragen eine der augenfälligsten Auswirkungen der Sonne auf unseren Planeten: das Bräunen von Holz, Haut und anderen Materialien. Die ein Jahr lang dauernde Ausstellung von Badel/Sarbach hat drei Teile, die sich im Lauf der Zeit verändern. Im Ausstellungsraum ‹Le Quatrième› im Kunstmuseum Sion arbeiten die Kunstschaffenden mit einem Solarium, das die Bretter einer aufgesägten Lärche für die Installation ‹Little Sun Back Here, a post-periphery poem ­(Sion)› bräunt. Die einzelnen Bretter werden eines nach dem anderen ins Solarium gelegt und erhalten so während mehrerer Wochen eine Patina. Die unbelichteten Bretter, das laufende Solarium und die ausgelegten fertig belichteten Bretter bilden gemeinsam die Installation und eine mehrteilige Edition. Das Publikum im Museum begegnet dem aufgesägten und wieder zusammengesetzten Stamm der Lärche. Wer nach Binn fährt, stösst dort am Eingang des Dorfs auf eine Gruppe von alten Walliser Stadeln aus Lärchenholz, deren Fassaden im Verlauf der Jahrhunderte von der Sonne dunkel verfärbt worden sind. Die Nordseite der Gebäude wurde natürlich weniger belichtet und erscheint silbergrau. Badel/Sarbach werden nun im Juni 2020 für die Intervention ‹Little Sun Back Here, a post-periphery poem (Binn)› einen Stadel mittels Kran um 180 Grad drehen, sodass der Speicher der Sonne seine silbergraue Schattenseite entgegenhält, die nun ihrerseits mehr und mehr bräunen wird, bis nur noch die am Stadel angebrachte Bronzetafel an die Intervention erinnert. Der Katalog in Form eines Sonnenkalenders bildet den dritten Teil des Projekts. So bleibt die Sonne zentraler Angelpunkt: 365 Mal, Tag für Tag. 

Bis 
08.11.2020

→ ‹Flurina Badel/Jérémie Sarbach – Little Sun Back Here. A post-periphery Poem›, Kunstmusem Sion, Gemeinde Binn, 30.11.2019–8.11.2020 ↗ www.museen-wallis.ch/kunstmuseum

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Flurina Badel, Jérémie Sarbach 30.11.201908.11.2020 Ausstellung Sion
Schweiz
CH
Künstler/innen
Flurina Badel
Jérémie Sarbach
Autor/innen
Sibylle Omlin

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