Lawrence Lek — future perfect

Lawrence Lek · 2065, 2018, Game Screenshots. Courtesy Sadie Coles HQ, London.

Lawrence Lek · 2065, 2018, Game Screenshots. Courtesy Sadie Coles HQ, London.

Lawrence Lek · 2065, 2018, Game Screenshots. Courtesy Sadie Coles HQ, London.

Lawrence Lek · 2065, 2018, Game Screenshots. Courtesy Sadie Coles HQ, London.

Besprechung

Mit ‹Nøtel›, einer VR-Installation über ein KI-verwaltetes Hotel naher Zukunft, hat Lawrence Lek an der Art Unlimited auf sich aufmerksam gemacht. Im HeK wagt er nun einen Ausblick ins Jahr 2065, der den Technofuturismus noch umfassender reflektiert und zugleich eine Rückschau auf das eigene Œuvre bietet.

Lawrence Lek — future perfect

Basel — Kühles Blau, strukturiert von roten LED-Leisten, durchflutet den Hauptraum des Hauses der elektronischen Künste HeK. Man wähnt sich in einem gestylten Datencenter oder vollautomatisierten Firmenfoyer und fühlt sich zunächst genauso orientierungslos. Hinter semi­transparenten Einbauten aus Polycarbonat sind technische Apparate zu erahnen. Öffnungen rahmen Screens, über die Videos flimmern; in Nischen und Nebenräumen locken Projektionen, Game-Umgebungen und VR-Sets. Lawrence Lek (*1982), in Frankfurt geboren und in Singapur aufgewachsen, hat in London und New York Architektur studiert. Bekanntheit erlangt hat er aber als bildender Künstler, der sich in softwarebasierten Simulationen mit den Orten des Menschen befasst. Die Ästhetik seiner Räume wirkt entsprechend artifiziell und ist stark von der Spielkonsolenwelt der Millennials geprägt: kein schlechter Zug, wenn man die Tiefe der Themen bedenkt, die Lek inhaltlich angeht. Wiederholt trifft man etwa auf Renderings der gastgebenden Institution, die mit weitsichtigen Überlegungen verknüpft sind und beispielsweise fragen, wie sich digitale Arbeiten im digitalen Raum ausstellen lassen oder welcher Wert der Kultur im zusehends kommerziell gelenkten Umfeld zukommt. Auch Zukunftsszenarien einer vollauf KI-regierten und überwachten Welt sind ein wichtiger Themenstrang, wobei Lek das prognostizierte menschliche Obsolenz nicht düster-dystopisch darstellt, sondern diese im Gegenteil, angelehnt an die Diktion der Smart-Tech-Branche und die Versprechen der Convenience-, Wellness- und Freizeitindustrie, cool gestaltet oder infantil umhüllt. Ob Promo-Clip für das eigene Start-up ‹Farsight Corporation› und virtuelle Willkommenstour durch deren spielplatzhaften Hauptsitz, ‹Play Station›, 2017, oder ob retrospektives Teleportierangebot an die Häuser, in denen Lawrence Lek bereits ausgestellt hat, ‹2065 (Farsight Freeport Edition)›, 2018, – eines bleibt immer gleich: Die cleanen Sphären, durch die der Künstler uns führt, wirken irgendwie unheimlich, da sie, wenn überhaupt, nur von nichtmenschlichen Akteuren belebt sind. Man mag ob deren Kontrolle, wie auch Lek dies offenbar getan hat, an den französischen Anthro­pologen Marc Augé und sein Essay über Nicht-Orte denken, insbesondere an den Passus über den Identitätsnachweis als Unschuldsbeleg. Nur wer diesen erbringen kann, erhält Zugang zum Nicht-Ort, dessen Transitnatur und soziale Losgelöstheit auch den modernen Nomaden definieren, der als solcher aber keine Identität stiftet, sondern «Einsamkeit und Ähnlichkeit» erzeugt. 

Bis 
10.11.2019
Ausstellungen/Newstickerabsteigend sortieren Datum Typ Ort Land
Lawrence Lek 05.09.201910.11.2019 Ausstellung Basel/Münchenstein
Schweiz
CH
Künstler/innen
Lawrence Lek
Autor/innen
Astrid Näff

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