Monica Ursina Jäger — Shifting Topographies

Monica Ursina Jäger · Shifting Topographies, 2019, Ausstellungsansicht Museum Franz Gertsch, Burgdorf

Monica Ursina Jäger · Shifting Topographies, 2019, Ausstellungsansicht Museum Franz Gertsch, Burgdorf

Monica Ursina Jäger · Shifting Topographies, 2019, Ausstellungsansicht Museum Franz Gertsch, Burgdorf

Monica Ursina Jäger · Shifting Topographies, 2019, Ausstellungsansicht Museum Franz Gertsch, Burgdorf

Besprechung

Raum- und Naturauffassungen haben sich über ­Jahrhunderte immer wieder gewandelt; in den letzten Jahrzehnten haben ­diese Diskurse jedoch eine existenzielle Dringlichkeit ­entwickelt. ­Aktuell zeigt das Museum Franz Gertsch eine Künstlerin, die diesen Themen gegenüber eine profilierte Haltung zeigt.

Monica Ursina Jäger — Shifting Topographies

Burgdorf — Für ihre Soloschau überführte Monica Ursina Jäger ausgewählte Arbeiten in eine Szenografie, die nicht nur den Ausstellungsraum rhythmisiert, sondern auch Querbezüge zwischen den Werkgruppen aufscheinen lässt. Allen Arbeiten gemeinsam ist das Interesse daran, wie in «menschlichen Lebensräumen» Mechanismen von Verdichtung und Durchdringung, von Koexistenz und invasiver Raumnahme auftreten; und daran anschliessend, in welcher Weise dies auch den Umgang mit Landschaft und Städtebau, Natur und Architektur prägt. Die künstlerische Befragung von Natur als Konstruktion ist seit jeher eine Konstante in Jägers Werk; ein Forschungsaufenthalt in Singapur im letzten Jahr brachte sie dann ganz konkret mit den Auswirkungen der Landgewinnung und Bestrebungen zur Erhaltung des Klima­gleichgewichts in Berührung. Unmittelbaren Niederschlag findet das reiche «Anschauungsmaterial» in den ‹Shifting Topographies›, in denen Fotografien von Waldlandschaften und Hochhaussiedlungen ineinandergeblendet sind. Die Architektur ist «aufgelöst», sodass nur schlitzartige Fenster stehen bleiben, die den sattgrünen Bildraum wie Lochkartenmuster perforieren. In den zu kulissenhaften Anordnungen gestaffelten Folien scheint nun die Natur die Oberhand gewonnen zu haben. Die Geste der Schichtung prägt auch die Installation ‹before, beneath, beyond›. In den graubraunen Kästen sind aus Schmelzkammerschlacke und Steinkohle ­sanfte Hügel modelliert, in denen «Seen» aus schwarzem Glas ruhen. Aus einigen dieser Landschaften ragen schwarze Holzstäbe auf, die an Sonden oder Baugespanne erinnern. Wie ein Endzeit-Archipel oder Kontinente einer Sci-Fi-Welt besetzen die Elemente die Raummitte. Der Eindruck eines unsicheren Terrains und einer zähen, gleitenden Bewegung resultiert ebenso aus der Positionierung wie aus der Wechselwirkung der Objekte mit den Arbeiten an der Wand – vor allem mit den neuen Zeichnungen der Serie ‹future archaeologies›. Die multiperspektivischen Bildräume, in denen Jäger auch unterschiedliche Modi des Zeichnens kombiniert, weisen vereinzelt «Bildstörungen» auf: Weisse oder schwarze Balken schneiden als autonome geometrische Strukturen in die Zeichnung ein. Informationsverlust oder Strichcode, Ausgespartes oder Aufgesetztes. Bewusst unterlässt Jäger eine Zuweisung, wodurch das Verstörende dieser opulenten Landschaften noch stärker hervortritt. 

Bis 
24.11.2019

→ ‹Monica Ursina Jäger – Shifting Topographies›, Museum Franz Gertsch, bis 24.11.; Gespräch: 27.10.,11 Uhr ↗ www.museum-franzgertsch.ch
→ ‹Transversal›, Bündner Kunstmuseum Chur, bis 24.11. ↗ www.buendner-kunstmuseum.ch

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Monica Ursina Jäger. Shifting Topographies 07.09.201924.11.2019 Ausstellung Burgdorf
Schweiz
CH
Künstler/innen
Monica Ursina Jäger
Autor/innen
Irene Müller

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