Not Vital — Che fasch?

Not Vital · Bone, 2019, Aluminium, 315 x 130 x 80 cm, Ed. 3, Courtesy Galerie Urs Meile, Beijing-Lucerne

Not Vital · Bone, 2019, Aluminium, 315 x 130 x 80 cm, Ed. 3, Courtesy Galerie Urs Meile, Beijing-Lucerne

Besprechung

In seiner vierten Einzelausstellung in der Galerie Urs Meile befragt Not Vital den Status seines Œuvres und gewährt ­einen Einblick in die aktuellen Zeugnisse seiner globalen Kunstproduktion. Vorherrschend sind Minimalismus und exklusive ­Materialität als Zeichen einer künstlerischen Haltung.

Not Vital — Che fasch?

Luzern — Nomadisch unterwegs – aktuell zwischen seinen Ateliers im Bündner Sent, in Rio de Janeiro und in Peking – ist Not Vital (*1948) seit mehr als einem halben Jahrhundert. Seine Werkideen entstehen oft während des Reisens und der Suche nach neuen Orten, deren fremde Kulturen und die verwendeten Handwerkstraditionen den Künstler faszinieren. Mit teils komplexen, teils offensichtlichen Querbezügen erschafft Not Vital eine Verbindung zwischen dem Neuartigen aus der Fremde und dem Bekannten aus der Heimat. Allgegenwärtig ist dabei das Motiv des Bergs, das als poetisches Bindeglied innerhalb seines künstlerischen Werks auftritt. Der Schauraum der Galerie Urs Meile in Luzern versammelt eine kleine Auswahl seiner jüngeren Arbeiten, mehrheitlich aus den letzten drei Jahren. Darunter befindet sich eine getriebene Aluminiumskulptur, die zwei unterschiedlich grosse, ineinandergesteckte Knochen darstellt. Not Vital fand diese im Südpazifik und liess sie in China auf das Zehnfache vergrössert nachbilden. Formal und materiell an seine Skulptur von Nietzsches Schnauz von 1993 erinnernd, hat der Künstler ein absurd-surreales Werk mit einer klar definierten Funktion erschaffen: Gefüllt mit Wasser dient die Arbeit als Barometer im Ausstellungsraum. ‹Che fasch?› – was auf Rätoromanisch «Was machst du?» bedeutet – übertitelt Not Vital selbstbefragend seine Ausstellung, die einer pointierten Setzung mit minimalistischer Bildsprache gleichkommt. Die Bedeutung der Stofflichkeit widerspiegelt sich innerhalb seiner künstlerischen Praxis insbesondere durch die Verwendung hochwertiger Materialien wie Silber, Aluminium, Bronze, Keramik, Granit oder Chromstahl. Im Gegensatz zu den zeitaufwendigen Herstellungsprozessen seiner skulpturalen Werke stehen seine Zeichnungen, die als schnelles ­Medium vom nomadischen Leben zeugen und die Unbeschwertheit des Reisens vermitteln. Doch auch beim Einsatz von Stift auf Papier lässt Not Vital die Materialität der verwendeten Medien deutlich werden, um aus der Zwei- in die Dreidimensionalität zu entfliehen. So wird die Silhouette einer Bergspitze mit Silikon auf schwarzen Schaumstoff gezeichnet oder er gestaltet sie feingliedrig mit Mixed Media auf dem Papier. Mit einer subtilen Prise Ironie schafft es Not Vital, die Stringenz seiner konzeptuellen Arbeitsweise jeweils kurzzeitig zu unterwandern, um überraschende Produkte zu präsentieren. In der Arbeit ‹Countries with a P› überlagern sich die Konturen sämtlicher Nationen mit dem Anfangsbuchstaben P zu einem flächigen Konglomerat an Umrissen, was unweigerlich an die Thematik der Globalisierung erinnert.

Bis 
02.11.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Not Vital: Che fasch? 12.09.201902.11.2019 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Autor/innen
Michael Sutter
Künstler/innen
Not Vital

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