Vom Band zum Byte

Hannes Vogel · Video-Zeichnungen zur ­Präsenz, 1980, Video, Kunstmuseum Luzern

Hannes Vogel · Video-Zeichnungen zur ­Präsenz, 1980, Video, Kunstmuseum Luzern

René Bauermeister · Hommage à Duchamp, 1976, U-Matic, schwarzweiss, Ton, Kunst­museum Luzern

René Bauermeister · Hommage à Duchamp, 1976, U-Matic, schwarzweiss, Ton, Kunst­museum Luzern

Hinweis

Vom Band zum Byte

Luzern — 16 mm, 32 mm, Super 8, VHS, Reet-to-Reel, Betacam und U-matic; die mittlerweile nostalgisch anmutenden Filmformate gehören als Originalspeichermedien zum Bestand der Videosammlung des Kunstmuseums Luzern. Viel analoges Material stammt aus dem avantgardistischen Zeitraum der Performance- und Videokunst der frühen Sechziger- bis Achtzigerjahre und hat mittlerweile jahrzehntelange Lagerung und unzählige Abspielminuten hinter sich. Damit die Videobänder durch die Abnutzung und Verschmutzung nicht an Qualität einbüssen oder gar nicht mehr abspielbar sind, müssen sie laufend in neue Dateiformate transferiert werden. Dieser minutiöse Analyse- und Reinigungsvorgang ist mit einer Vielzahl heikler Fragestellungen verbunden: Welche Bedeutung hat das Ursprungsmedium? Ab welchem Zustand sollte etwas dringend medial aufbereitet und auf ein neues Träger­medium übertragen werden? Was ist ein gewollter Effekt, was ein unerwünschter Defekt? Wie beeinflusst ein medialer Transfer die Präsentationweise? Akribisch genau werden die Einzelfälle analysiert, um möglichst den originalen Charakter der Videoarbeit nachhaltig zu konservieren. Im Pilatussaal des Kunstmuseums haben die Kuratorinnen Alexandra Blätter und Eveline Suter eine laborartige Dunkelkammer eingerichtet, die eine Auswahl an historischen und modernen Abspielgeräten, Monitoren und Videoprojektionen beherbergt. Zu sehen sind die Resultate des jüngsten Digitalisierungsprozesses mit ihrem – im Idealfall – adäquaten Präsentationsmitteln. Auf spielerisch platzierten, orangen Hockern kann man sich die detaillierten Ablaufprozesse der Digitalisierung von der Videokonservatorin Agathe Jarzcyk erklären lassen oder sich zwischen die zweiteilige Arbeit ‹Remote Control› von Vito Acconci setzen. Eindrücklich sind die experimentellen Umgangsformen mit Videokamera und Bildschirmen; ­René Bauermeister nutzte einen «Closed Circuit», wobei die Kamera nicht aufzeichnet, sondern das Bild auf einen Bildschirm überträgt, der anschliessend vom Künstler abgefilmt wird. Hannes Vogel spielt mit dem Spannungsverhältnis zwischen Beständigkeit und Vergänglichkeit, indem er die Latenz von Licht als künstlerisches Mittel für Raumzeichnungen nutzt. Je nach Intensität verblasst das Gezeichnete schneller oder langsamer und überlagert sich mit der Silhouette des Künstlers.

Bis 
24.11.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Vom Band zum Byte 14.09.201924.11.2019 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH

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