Wett — Atelier für plastisches Wirken. Neuer Geist im alten Haus

Zschokke-Atelier, Innenansicht, 23.5.2018. Foto: Michele Cordasco

Zschokke-Atelier, Innenansicht, 23.5.2018. Foto: Michele Cordasco

Zschokke-Atelier, Aussenansicht, 5.10.2017. Foto: Michele Cordasco

Zschokke-Atelier, Aussenansicht, 5.10.2017. Foto: Michele Cordasco

Besprechung

Nahe beim Wettsteinplatz steht ein kleines altes Haus verwunschen in einem Garten. Vieles hat es schon erlebt. Aber es ist nicht Rocky Dockys halb verfallene Hütte, sondern das ehemalige Atelier von Alexander Zschokke. Gerade wird es aus seinem Dornröschenschlaf zu neuem Leben erweckt.

Wett — Atelier für plastisches Wirken. Neuer Geist im alten Haus

Basel — Der Basler Bildhauer Alexander Zschokke (1894–1981) ist in Basel omnipräsent. Mit 42 Kunstwerken im öffentlichen Raum prägt er das Stadtbild wie kein anderer Künstler vor und nach ihm. Für die Erstellung des Brunnens vor dem Kunstmuseum wurde ihm 1937 eigens das sogenannte Zschokke-Atelier am Claragraben errichtet – das kleine Haus mit den hohen Wänden und den schönen Oberlichtern, das heute von benachbarten (Schul-)Gebäuden überragt etwas verloren zwischen Bäumen und Büschen steht. Das Haus gehört im Mietrecht Zschokkes Tochter, die jetzt den Schlüssel zum Atelier und zum angrenzenden Wettsteinhäuschen dem Basler Bildhauer Michele Cordasco in die Hände gelegt hat mit dem Wunsch, den Ort zu beleben. Seither wird er von der Kunsthistorikerin Monika Kästli und den Bildhauern David de Caro und Andreas Chiquet zusammen mit Michele Cordasco und Petra Zschokke sachte und ohne formalen Zwang aus seinem Schlummerzustand geholt. Die fünf haben den Verein ‹Wett – Atelier für plastisches Wirken› gegründet, der die Tradition des Bildhauerateliers im Sinne des plastischen Wirkens und des Prozesshaften weiterführen möchte. Das Schaffen soll aber nicht auf eine bestimmte Epoche festgeschrieben werden, vielmehr gehen die Impulse, etwas in Bewegung zu versetzen, vom Ort selbst aus. Am 25. November jährt sich zum 125. Mal Zschokkes Geburtstag. Das Jubiläum gibt Anlass für eine Präsentation, die nicht im herkömmlichen Sinn bestehende Werke zeigt, sondern aktuelle Zugänge und Formate erprobt. Bei der ersten Intervention sind zwölf regionale Kunstschaffende eingeladen, mit Blick auf das Werk von Zschokke eine eigene Arbeit zu realisieren, um so neue Sichtweisen zu eröffnen. Zu den Gästen gehören unter anderem Selina Baumann (*1988), Martin Chramosta (*1982), Manfred Cuny (*1959), Sara Grütter (*1989) und Natascha Nüesch (*1989). Die zweite ­Aktion folgt dem Bestreben, die im Atelier gelagerten Skulpturen in den betriebsamen Strom des Alltags zu überführen. Rund zehn Geschäfte im Umkreis des Ateliers werden temporär eine Skulptur von Zschokke im Schaufenster, in der Vitrine oder auf dem Kassentisch ausstellen, wo es zu kleinen Interferenzen zwischen heutiger und damaliger Zeit kommt. Die beiden Anlässe im November sind Auftakt zu einer Folge von weiteren geplanten Geschehnissen rund um diesen Ort. Denn das Haus ist voller Wunder und voll heimlicher Musik. 

Bis 
15.12.2019

→ ‹Wett – Atelier für plastisches Wirken›, Claragraben 38, Basel, Vernissage 23.11., bis 15.12. Öffnungszeiten: Do/Fr, 17–20 Uhr, Sa/So, 12–18 Uhr

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