Yannick Lambelet, Sébastien Mettraux — Vom Screen aufs Tuch

Yannick Lambelet · Cinnamon sky #shun, 2019, Acryl auf Leinwand, 50 x 100 cm

Yannick Lambelet · Cinnamon sky #shun, 2019, Acryl auf Leinwand, 50 x 100 cm

Sébastien Mettraux · Sans titre (vanité n° 19), 2019, Öl auf Leinwand, 180 x 240 cm

Sébastien Mettraux · Sans titre (vanité n° 19), 2019, Öl auf Leinwand, 180 x 240 cm

Besprechung

Yannick Lambelet und Sébastien Mettraux hegen grosses Inter­esse an digitalen und auch kunsthistorischen Bildwelten, die sie in ihren Gemälden ins Analoge übersetzen. Die Galerie ­DuflonRacz und die Galerie da Mihi präsentieren die beiden in kooperierenden Ausstellungen.

Yannick Lambelet, Sébastien Mettraux — Vom Screen aufs Tuch

Bern — Yannick Lambelet (*1986) liebt knackige Kontraste. So malt der in La Chaux-de-Fonds lebende Künstler eine idyllische Schweizer Landschaft im Stil des 19. Jahrhunderts und lässt im Vordergrund, zwischen friedlichem grünem Blätterwerk, einen schwer bewaffneten jungen Mann auftreten, der nach Science Fiction aussieht. Tatsächlich stammt die Figur, die Lambelet hier mit grosser Delikatesse in Acryl gemalt hat, aus einem populären Videogame mit dem Namen ‹Resident Evil›. Ein Spiel, in dem es kurz gesagt um skrupellose Forscher geht, die andere Menschen bei Experimenten in Untote verwandeln. Und diese Zombies werden dann von Spezial­einheiten gejagt. Der junge Mann im Landschaftsidyll gehört zu besagter Spezial­einheit und signalisiert: Menschliche Eitelkeit und Grausamkeit sind so zeitlos wie spartenübergreifend. Auch Sébastien Mettraux (*1984) reflektiert in seiner Arbeit die grossen Menschheitsfragen und bringt dafür Bilder aus der digitalen Welt und der Kunstgeschichte zusammen. Dieser Zusammenprall vollzieht sich in Mettraux’ Ölgemälden nicht ganz so grell wie bei Lambelet und dennoch nicht weniger irritierend. In der Serie ‹Vanités› malt Sébastien Mettraux, der in Vallorbe zuhause ist, Bilder, die nicht nur dem Namen nach mit den grossen Stillleben des Barock verwandt sind. Auf Mettraux’ Leinwänden ranken sich Efeu und Löwenzahn, Weizen und Anemonen, blühende Symbole der Vergänglichkeit. Begleitet werden die floralen Elemente von chirurgischen Schrauben, von künstlichen Knochen und Arterien oder Stents, also jenen kleine Implantaten, die dazu dienen, Gefässe offen zu halten. Meisterhaft gemalt spielen die Bilder auf menschliche Hybris und Machbarkeitswahn an. Das Besondere an ihnen: Der Künstler malt beides, sowohl die medizinischen Objekte wie auch die Blumen nach 3D-Modellen. Die Sujets der beiden Westschweizer Künstler ähneln sich auf den ersten Blick wenig, hinter beiden aber stecken ein starkes Interesse an digitalen Welten und ­eine profunde Kenntnis der Kunstgeschichte sowie eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Menschen an sich. Eine Kooperation der beiden Galerien da Mihi und Duflon­Racz erlaubt es, die beiden Kunstschaffenden gewissermassen Tür an Tür zu betrachten: jeden für sich und doch im unmittelbaren Dialog miteinander.

Bis 
09.11.2019

→ Galerie da Mihi und Galerie DuflonRacz, beide Ausstellungen bis 9.11. 
www.damihi.com www.duflon-racz.ch

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Sebastien Mettraux 05.10.201909.11.2019 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Yannick Lambelet 05.10.201909.11.2019 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Yannick Lambelet
Sébastien Mettraux

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