Alfredo Aceto, Simone Holliger, Raphael Linsi, Marie Matusz

Alfredo Aceto · Kevin, Installation, 2020

Alfredo Aceto · Kevin, Installation, 2020

Marie Matusz · Sediments of Modernity, 2020

Marie Matusz · Sediments of Modernity, 2020

Hinweis

Alfredo Aceto, Simone Holliger, Raphael Linsi, Marie Matusz

Basel/Riehen — Vier Kunstschaffende in vier Einzelausstellungen werden diesen Herbst gleichzeitig in den sieben Räumen vom Kunst Raum Riehen gezeigt. Was von der Kuratorin und Kunsthistorikerin Kiki Seiler-Michalitsi als eng verflochtene Gruppenausstellung geplant war, wurde von den eingeladenen jungen Kunstschaffenden als vier Einzelausstellungen verstanden. «Ich habe die vier Künstler*innen eingeladen, da ich ihr Schaffen schon länger mitverfolge und in der Unterschiedlichkeit ihrer Arbeiten auch viele Gemeinsamkeiten sehe. Die Ausstellung hätte ‹Mise en Scène› geheis­sen, da sich alle Kunstschaffenden mit Momenten einer Inszenierung befassen», erzählt Seiler-Michalitsi an der Vernissage.
Sich in den einzelnen Ausstellungsräumen bewegend merkt man schnell, dass es durch fehlende Distanzen und Leerräume schwierig ist, die einzelnen Positionen nicht zusammen zu betrachten. Nach den multimedialen Ausstellungengsteilen ‹Answering phone calls by email› von Raphael Linsi (*1982) und der skulpturalen Installation ‹Kevin› von ­Alfredo Aceto (*1981) kommt man durch Simone Holligers (*1986) raumfüllende Papierinstallation ‹Struggeling structures› die Treppe hoch, wo man auf weitere Werke von Aceto trifft. Der in Turin geborene Künstler setzt sich mit der Dekontextualisierung von ikonischen oder auch antiheroischen Gegenständen auseinander. So auch in den für ‹Kevin› entstandenen Skulpturen ‹Half Plinth I› und ‹Portion of Plinth›, 2020. In einem sargähnlichen Gipsblock sind glänzende Hotelglocken eingelassen, die an Brüste erinnern. Sie scheinen aus dem Sockel aufzutauchen. Die Skulpturen sind an die Forschungsstation am «Pol der Unzugänglichkeit» in der Antarktis angelehnt, auf der eine Lenin-Büste platziert wurde. Zur Installation gehören auch Readymades in Form von Theaterscheinwerfern, die durch gezielte Spotsetzungen auch ein überschneidendes Moment zur über zwei Stockwerke hängenden Arbeit ‹Building Dwelling Thinking›, 2020, von Marie Matusz (*1994) entwirft. Die in Toulouse geborene Künstlerin zeigt im Rahmen von ‹Épochè› im obersten Stockwerk weitere dieser kokonartigen, hängenden Gebilde neben der Arbeit ‹Sediments of Modernity›, 2020: fünf schmale, zur Hälfte mit Grafitpulver gefüllte Plexiglaskästen. Von einer Lampe angestrahlt geben sie Schichtungen preis, die an Erdablagerungen erinnern.
Durch die beim Betrachten unweigerlich hergestellten Verbindungen der beiden künstlerischen Positionen stärken sich diese und werden durch die Gegensätze wie auch Überschneidungen eigenständiger. Damit stechen sie vielleicht nicht als Einzelausstellung, dafür als anregende Doppelausstellung hervor. 

Bis 
08.11.2020

Gianna Rovere, Master Kulturpublizistik, ZHdK → Kunst Raum Riehen, bis 8.11. ↗ www.kunstraumriehen.ch

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