Antje Majewski und Paweł Freisler — Immer wieder der Apfel

Antje Majewski · Apfelornament, 2021, diverse Bioäpfel aus der Region, Masse variabel © ProLitteris

Antje Majewski · Apfelornament, 2021, diverse Bioäpfel aus der Region, Masse variabel © ProLitteris

Didier Rittener · Les pommiers ou indécente fôret, 2014–2016, Bleistift auf Papier (Claire Fontaine), 180,8 x 390 cm, nach Andrea Mantegna, Hieronymus Bosch, Albrecht Dürer, Michelangelo, Peter Paul Rubens, Henri Rousseau u. a.; im Vordergrund: Donnez-vous la peine, 2021, Installation mit 28 Offsetdrucken à 300 Exemplaren auf Paletten sowie 500 Blatt Verpackung. Fotos: Georg Rechsteiner

Didier Rittener · Les pommiers ou indécente fôret, 2014–2016, Bleistift auf Papier (Claire Fontaine), 180,8 x 390 cm, nach Andrea Mantegna, Hieronymus Bosch, Albrecht Dürer, Michelangelo, Peter Paul Rubens, Henri Rousseau u. a.; im Vordergrund: Donnez-vous la peine, 2021, Installation mit 28 Offsetdrucken à 300 Exemplaren auf Paletten sowie 500 Blatt Verpackung. Fotos: Georg Rechsteiner

Besprechung

Der Apfel in seiner Vielfalt ist Symbol für den Kreislauf des ­Lebens und verweist auf das Ausmass heutiger Landwirtschaftsproduktion. Antje Majewski und Paweł Freisler – zwei Kunstschaffende, die sich nie begegnet sind – initiierten dazu 2014 ein Ausstellungsprojekt, das jetzt in Thun zu sehen ist.

Antje Majewski und Paweł Freisler — Immer wieder der Apfel

Thun — Der Titel hält, was er verspricht: Äpfel, so weit das Auge reicht, in allen Räumen des Kunstmuseums Thun. Als Vanitas-Symbol steht der Apfel nicht nur für Fruchtbarkeit und Fülle, sondern kippt alsbald ins Vergängliche, schrumpelt und verfärbt sich in seiner Überreife in ein unansehnliches Braun. In ihrer vollen Pracht jedoch erinnert die Frucht daran, als Kind einen Pausenapfel in den Händen gehalten zu haben – denn das gilt bis heute: An apple a day keeps the doctor away.
Bereits strömt der süssliche Duft des Apfelornaments in die Nase, das die Berliner Künstlerin Antje Majewski (*1968) zusammen mit dem Team des Kunstmuseums im grossen Saal auf dem Boden ausgelegt hat. Das von ihr und dem Polen Paweł Freisler (*1942) initiierte Projekt wurde seit 2014 – gemäss dem programmatischen Untertitel ‹Immer und immer und immer wieder› – an mehreren Orten umgesetzt und vereint Werke von Kunstschaffenden unterschiedlicher Generationen. Gezeigt werden beispielsweise Apfelsaftflaschen mit Etiketten des Amerikaners Jimmi Durham (*1940), die als Multiple an der documenta 13 verkauft wurden.
Besonders stechen jedoch die Arbeiten der Schweizer Künstler Brigham Baker (*1989) und ­Didier Rittener (*1969) heraus, die explizit für die Thuner Schau dazugekommen sind: In neun grossformatigen Fotografien sind Bakers Naturbeobachtungen anzutreffen, die den Apfel als sakrales Motiv erscheinen lassen. Die Zeitlichkeit wird anhand des Reifezustands der Frucht erahnbar. Bei Rittener steht die Verdichtung von kunsthistorischen Referenzen im Zentrum, die sich des Urthemas des Sündenfalls annehmen. Seine monumentale Waldlandschaft legt Fährten zu Motiven aus fünf Jahrhunderten. Zudem können die Besuchenden einer Marktsituation gleich Offsetdrucke von Rittener kaufen, deren Preise sich an der Anzahl Äpfeln auf den Papieren orientieren. Des Weiteren sind Dokumentarvideos von Majewski zu sehen, die künstlerische, wissenschaftliche sowie auch politische und kulturhistorische Bezüge aufgreifen. Mal kommt ein Thuner Landwirt zu Wort, ein andermal ein Umweltwissenschaftler der ETH. Während der Akt der Baumpflanzungen in früheren Zeiten oftmals einen rituellen Charakter hatte und die Partizipation der Stadtbevölkerung dabei stets von zentraler Bedeutung war, scheint es in Thun eher um kontemplative Aspekte zu gehen. Im Fokus steht das Betrachten des Apfels als mehrschichtiges Objekt unterschiedlicher Projektionen und künstlerischer Darstellungen. 

Bis 
28.11.2021

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