Christine Bänninger und Peti Wiskemann

Christine Bänninger & Peti Wiskemann · wilderwald, 2021, mehrteilige Rauminstallation, Altkarton, Acryl, Bostichklammern, Stiftung Weidli, Stans. Foto: Edi Ettlin

Christine Bänninger & Peti Wiskemann · wilderwald, 2021, mehrteilige Rauminstallation, Altkarton, Acryl, Bostichklammern, Stiftung Weidli, Stans. Foto: Edi Ettlin

Christine Bänninger & Peti Wiskemann · wilderwald, 2021, mehrteilige Rauminstallation, Altkarton, Acryl, Bostichklammern, Stiftung Weidli, Stans. Foto: Edi Ettlin

Christine Bänninger & Peti Wiskemann · wilderwald, 2021, mehrteilige Rauminstallation, Altkarton, Acryl, Bostichklammern, Stiftung Weidli, Stans. Foto: Edi Ettlin

Hinweis

Christine Bänninger und Peti Wiskemann

Stans — Das komplexe ökologische System eines Waldes bietet im ursprünglich wilden Zustand eine perfekte Lebensgemeinschaft für alle beteiligten Pflanzen und Lebewesen. Wie der Wald ist auch die menschliche Gesellschaft ein Gebilde aus vielen einzelnen Individuen, die sich gegenseitig unterstützen und inspirieren. Das Zürcher Künstlerduo Christine Bänninger (*1959) und Peti Wiskemann (*1969) erarbeitete seit Januar 2021 mit den Bewohner*innen der Tagesstätte Weidli in Stans eine raumübergreifende Skulptur, ähnlich dem System eines «wilden Waldes».
Die Gewinner der Kunst-am-Bau-Ausschreibung der Stiftung Weidli entwarfen schon in ihren früheren Arbeiten jeweils ein Konzept, welches das Publikum in das zu schaffende Werk miteinbeziehen sollte, unter anderem in der Installation ‹Kunstpost›: Hier waren Menschen vom Künstlerduo eingeladen, im Moment entstandene Postkarten an ihre Liebsten zu senden. Dieses Setting des aktiven Miteinbeziehens vom Publikum in ihre Performance kam nun auch im Weidli zur Anwendung. Bewohnerinnen, Bewohner und Pflegende waren während eines langsamen Prozesses des Learning by Doing – die Arbeit begann trotz Corona bereits im Januar 2021 – an der Projektentstehung beteiligt und niemand konnte vorhersehen, in welche Richtung und auf welche Art sich die Skulptur ausdehnen und entwickeln würde.
In der Tat ist nun ein Wald mit vielen Schattierungen und Formen entstanden, ein Netz aus zusammengetackerten, bemalten und «bezeichneten» feinen Kartonstreifen. Das riesige Gebilde schwebt wie ein buntes Waldgeflecht aus Lianen über und durch eine dreistöckige Rampenarchitektur in der Mitte des Gebäudes. Durch die Barrierefreiheit des «Treppenhauses» aus Betonstrassen ist das Kunstwerk für alle Beteiligten begehbar. Bänninger und Wiskemann haben hier einen Raum für alle geschaffen, im räumlichen und künstlerischen Sinne. Die provokative These Beuys’, wonach jede und jeder durch den Akt des Schöpfens mitverantwortlich an der Gestaltung des sozialen Zusammenlebens ist, zeigt sich in der Tagesstätte Weidli bildhaft. Bänninger und Wiskemanns künstlerischer Prozess inkludiert diejenigen, die in ihrem Alltag aufgrund ihrer Beeinträchtigung die Erfahrung von Exklusion erleben. Menschen können so eine neue Dimension ihrer Identität erfahren, indem sie gestalterisch und sozial zum Werk beigetragen haben und «Künstlerinnen und Künstler» sind, denn jeder ist ein Künstler … 

Bis 
04.12.2021

→ Tanzperformance, 19.11.; Finissage mit Führungen, 4.12. ↗ Kunstblog auf www.weidli-stans.ch

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