Greg Parma Smith — Emblematischer Realismus

Greg Parma Smith · Banner Ducks Manifesting as Inter-Spatial Membrane, 2021, Öl auf Leinwand, 132,1 x 132,1 cm

Greg Parma Smith · Banner Ducks Manifesting as Inter-Spatial Membrane, 2021, Öl auf Leinwand, 132,1 x 132,1 cm

Besprechung

Chuzpe, ein smartes Gespür fürs Danebentreten, um drin zu sein im Betrieb und trotzdem das eigene Ding zu machen, gehört zu den vornehmsten Gaben Kunstschaffender. Der US-amerikanische Bildermacher Greg Parma Smith hat diese Tugend kultiviert. Ein Augenschein in der Galerie Francesca Pia.

Greg Parma Smith — Emblematischer Realismus

Zürich — Hyperrealistische Stillleben mit Fruchtschüsseln und Fanta-Dosen aufgetischt vor Abendhimmelkulissen, gleitenden Grossvögeln wie Geier, Albatross, Flamingo, Pelikan: Mit diesen detailverliebt in einem langen und mühsamen Arbeitsprozess von Ölfarbe deckend auf Leinwand hergestellten Motiven ist der in New York lebende, 1983 geborene US-amerikanische Maler Greg Parma Smith 2017 mit einer ersten Ausstellung in der Zürcher Galerie Francesca Pia und dem Genfer MAMCO auf einen Schlag in der Schweiz bekannt geworden.
Betreten wir die Galerie heute wieder, so meinen wir, den Künstler kaum wiederzuerkennen. Dennoch ist er sich in zweierlei Hinsicht treu geblieben: in der opaken, auf illusionistische Figuration setzenden Feinmalerei in Öl und in seinen auf den ersten Blick auf Mainstream zielenden Motiven. Sie könnten direkt aus einem Kinderbuch stammen: Sonne, Mond, Fische, Schmetterlinge und Kleingetier bevölkern seine vergleichsweise kleinen Leinwände. Neun Arbeiten werden in den zwei Erdgeschosssälen der Galerie im Löwenbräukunst-Areal gezeigt.
Die Brechung des Realismus setzt nun in der Figur an. Ein American Pitbull wird in ‹Transmundane Guardian›, 2021, zur Groteske aus der gotischen Buchmalerei, der Mond, die Sterne werden zum heraldischen Emblem, an dem plastische Gestaltungsmöglichkeiten der Malerei erprobt werden. Ein schönes Beispiel gibt das scheinbar harmlose Ölbild ‹Banner Ducks Manifesting as Inter-Spatial Membrane› ab: Zwei Gänse futtern vor einem flächig braun getönten Hintergrund, wobei der Illusionismus gemalter Gänse durch deren bandartige Hälse in Pink empfindlich gestört wird. Ebenso unbequem sitzen im quadratischen Bildraum die sechzehn regelmäs­sig ­seriell aufgesetzten türkisfarbenen Mini-Pyramiden – ein ernstes Spiel mit dem uralten Thema der Malerei von Figur und Grund. Smith dekliniert es in grossartiger Weise durch, wie in der Dreierserie von Alraunen, ‹Universal Flower in Situated Mineral Firmament›. Der gemalte monumentale Rahmen und der erhabene Bildgrund springen plastisch, reliefartig hervor, spielen eine ebenso grosse Rolle wie die Motive – Schnecken, Insekten, Larven, die sich in das Material hineinzukerben scheinen.
Hat sich auch unser Blick da hineingefressen, können wir nicht wieder davon ablassen. Greg Parma Smith gibt unseren Augen neues Futter. Vorsicht, das kann süchtig machen. Ein Rat: Nichts wie hin! 

Bis 
06.11.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Gems in the Temple — Greg Parma Smith 17.09.202106.11.2021 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Max Glauner
Künstler/innen
Greg Parma Smith

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